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Wirecard: Paukenschlag! Der nächste Akt im Drama?

Lieber Leser,

Wirecard ist nicht nur dafür bekannt, in einem Geschäftsfeld zu operieren, das selbst für professionelle Analysten schwer zu durchleuchten ist, sondern dafür auch schwer zu durchschauende Bilanzierungspraktiken anzuwenden. Ein Teil des Zahlenwerks wird von Marktbeobachtern mitunter sogar als „Blackbox“ bezeichnet.

Nachdem sich einige Analysten und Short-Aktionäre daran die Zähne ausgebissen haben, hat sich der Wert im Laufe des vergangenen Jahres erholt. Wir haben im Rahmen dieser Erholung auf den Ausbruch aus der bullishen Flagge hingewiesen, der bisher auch erfolgreich stattgefunden hat. Doch nun erhebt das renommierte „manager-magazin“ neuerliche Vorwürfe. Die Aktie gibt infolgedessen deutlich nach.

Die Hintergründe

Das „manager-magazin“ beruft sich auf eine eigene Analyse und Recherche. Im Zuge dessen will man festgestellt haben, dass Wirecard angeblich einen hohen Anteil an Forderungen gegenüber Drittbanken quasi falsch deklariert. Diese Forderungen sollen sich im vergangenen Jahr auf etwa 250 Mio. Euro belaufen haben. Das Unternehmen hat diese Darstellung gegenüber dem „manager-magazin“ zurückgewiesen. Stattdessen beruft sich Wirecard darauf, dass die Umstände längst „marktbekannt“ seien.

Wirecard tritt als Mittler zwischen Kunden/Kreditkartenunternehmen auf der einen Seite und Händlern auf der anderen Seite auf. Das transferierte Geld muss über eine Bank laufen. In Europa übernimmt die hauseigene Wirecard Bank diesen Job, außerhalb Europas Drittbanken, die im Auftrag des Unternehmens agieren.

Wirecard beteuert im Rahmen der Bilanzen immer, dass solche Forderungen von Drittbanken einen „durchlaufenden Charakter“ haben und sich mit den Verbindlichkeiten quasi risikolos ausgleichen. Das „manager-magazin“ wirft nun die Frage auf, ob dies beim Deal mit den Drittbanken tatsächlich gegeben ist. Denn das Geld läuft ja in dem Moment nicht wirklich über die Konten des Unternehmens. Trotzdem ist der immense Betrag bilanziell so deklariert.

Warum dieser Punkt so entscheidend ist? Laut „manager-magazin“ mache es einen gewaltigen Unterschied, ob diese Forderungen gegenüber einem liquiden Kreditkarten wie Mastercard oder Visa oder eben jener besagten Drittbank bestehen. Bei Kreditkartenunternehmen dürften die Forderung tatsächlich sehr kurzfristiger Natur seien, werden also schnell beglichen. Bei einer Drittbank müsste man aber damit rechnen, dass die Einlage im schlimmsten Fall bis zu 180 Tage gebunden ist.

Unsere Meinung

Beim Thema Bilanzen und Wirecard reagierte der Markt in der Vergangenheit mehrfach hypersensibel. Vor ziemlich genau einem Jahr führte eine ähnlich gelagerte Meldung zu einem jähen Kursabsturz der Aktie. So auch dieses Mal, wenngleich der Kursverfall nicht annähernd so heftig ausfiel wie vor einem Jahr. Um etwa 14.00 Uhr veröffentlichte das „manager-magazin“ die Geschichte. Sofort danach brach die Aktie auf Tagesbasis um mehr als 8,0 % ein, erholte sich jedoch kurz darauf wieder um die Hälfte.

Es bleibt aber abzuwarten, ob dies bereits das Ende des Dramas ist. Aktuell sind wir noch der Meinung, dass die ganze Sache ein wenig hoch gepusht wird. Sicher, Wirecard kommt jetzt in Erklärungsnot. Aber die Feststellung über die „unechten“ Forderungen bedeutet noch lange nicht, dass das Unternehmen mit Geschäftsrisiken zu kämpfen hat. Dennoch kann eine Vertrauenskrise nun auch eine Eigendynamik entwickeln und das Vertrauen der Anleger in Wirecard ist spätestens seit den letzten Short-Attacken angekratzt. Ich mache zudem darauf aufmerksam, dass die Hedgefonds nach wie vor vergleichsweise hohe Nettoleerverkaufspositionen an Wirecard halten.

Vorsichtige Anleger sollten sich womöglich zunächst zurückhalten und abwarten, was passiert. Markttechnisch arbeitete die Aktie ohnehin gerade am Ausbruch aus der Korrekturtrendlinie, die im Bereich bei 46,50 Euro je Aktie verlief. Sofern diese nun nicht wieder angesteuert wird, ist Vorsicht sicherlich angebracht.

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