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Ist Deutschlands Export noch zu retten?

Lieber Investor,

mit der Amtsübernahme Donald Trumps ist der politische und wirtschaftliche Ernstfall endgültig da. Im Grunde war er das durch den Brexit auch schon früher, nur war uns allen die Gefahr, in der wir schweben nicht ganz so bewusst, solange Donald Trump noch nicht in Amt und Würden war.

Nun ist er zumindest im Amt. Mit der Würde ist das zwar eine andere Sache, doch es vergeht kaum ein Tag, an dem der US-Präsident nicht die Schlagzeilen beherrscht. Meist tut er dies in einer negativen Weise und egal, um was es geht, der Unmut der restlichen Welt über diese verkrampfte Art des ‚America first‘, wächst von Tag zu Tag.

Noch sind sich die meisten Politiker nicht darüber im Klaren, mit welcher Strategie sie auf den neuen Mann im Weißen Haus reagieren sollen, doch erste Ansätze sind schon erkennbar. Sie beschränken sich nicht auf den Protest allein, sondern es wird auch in ersten Fällen eine vorsichtige Tit-for-tat-Strategie angewandt.

Der Ausdruck stammt aus der Spieltheorie und umschreibt eine Strategie, mit der eine Gemeinschaft auf einen Störenfried reagieren kann, der sich um die Regeln ebenso wenig schert wie um die Konvention. Im Deutschen umschreibt man diese Strategie am besten mit dem Ausspruch „Wie du mir, so ich dir“.

Gleiches mit Gleichem vergelten

Auf eine nicht gerechtfertigte Aggression reagiert man nach dieser Strategie am besten mit einer gleich gelagerten, gleich schweren Gegenmaßnahme. Führt dieses nicht zum Erfolg, wird eine schrittweise Eskalation herbeigeführt. Die Verschärfung des Konflikts ist dabei aber kein Selbstzweck, sondern dient allein dazu, die Gegenseite zur Vernunft zu bringen.

Deshalb sind die eigenen Maßnahmen immer mit der Zusicherung verbunden, die Maßnahme wieder zurückzunehmen und  zum alten Status quo zurückzukehren, wenn sich auch die Gegenseite bewegt. Die Hand zum Friedensschluss bleibt somit immer ausgestreckt. Das ist ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie.

Angewandt hat diese Strategie in den vergangenen Wochen zuerst der Iran. Seine Führung erklärte, schon kurz nachdem Ende Januar das Einreiseverbot für iranische Staatsbürger in die USA bekannt wurde, dass auch US-Bürger ab sofort im Iran ebenfalls unerwünschte Personen seien.

Nun kann man darüber streiten, ob die Maßnahme nur eine symbolische ist oder doch tiefer reicht, denn den Iran zu besuchen, dürfte für die Amerikaner wesentlich unattraktiver sein als im Gegenzug Amerikabesuche für die Iraner. Trotzdem die Reaktion des Iran zeigt, in welche Richtung die Reise in Zukunft gehen könnte.

Spielt Donald Trump weiterhin den starken Mann?

In den ersten Tagen seiner Präsidentschaft hat sich Donald Trump mit Vorliebe den wirtschaftlichen und politischen Leichtgewichten zugewandt und sie seine vermeintlich harte Hand spüren lassen. Die wirklich wichtigen und langfristig bedeutenden Herausforderungen kommen also noch und wir dürfen gespannt erwarten, ob diese Staaten zu einer ähnlichen Strategie greifen werden, wenn der Zorn Donald Trumps sie eines Tages treffen sollte.

Besonders gespannt sein dürfen wir auf die Reaktionen Russlands, Chinas und der Europäischen Union. Sie sind die wirklichen Opponenten, mit denen Donald Trump sich messen muss, wenn seine America-first-Forderung nicht mehr als eine überlaute. plumpe Rhetorik sein soll.

All diese Länder oder Wirtschaftsblöcke haben wirtschaftlich oder militärisch das Potential, den neuen US-Präsidenten in die Schranken zu weisen. China sogar auf   beiden Feldern. Wenn Donald Trump klug ist, wird er vorsichtig an diese Minenfelder herantreten und nicht sogleich zu einem massiven Schlag ausholen. Wenn er der am Beginn seiner Präsidentschaft gezeigten Linie treu bleibt, wird gerade dies passieren.

Für den deutschen Export bedeutet das nichts Gutes, denn in der Trumpschen Logik, rauben die in Deutschland gefertigten Waren Amerikanern die Arbeitsplätze. So ist es nicht verwunderlich, dass der Protektionismus in diesen Tagen mit aller Macht an unsere Türen klopft.

Viele Verlierer, keine Gewinner

Es ist zwar eine historische Tatsache, dass der Handelskrieg ein Szenario ist, bei dem alle nur verlieren können. Aber erzählen Sie das mal einem von sich und seinen kruden Ideen überzeugten Populisten, der es gewohnt ist, mit einfachen Lösungen an die komplizierten Probleme unserer Welt heranzugehen.

Deutschland hat in diesem Szenario viel zu verlieren und kaum etwas zu gewinnen. Am Außenhandel hängen viele Arbeitsplätze. Insbesondere der Handelsüberschuss, den viele im Land derzeit als unsere Stärke ansehen, kann leicht zur Achillesferse werden, denn bei geschlossenen Grenzen wird er sich zukünftig nicht mehr oder zumindest nicht mehr in dieser Höhe erwirtschaften lassen.

Unsere politische und wirtschaftliche Führung tut deshalb gut daran, sich für eine Zukunft zu wappnen, die ausgesprochen frostig werden könnte. Damit sie nicht zu frostig wird, wäre zumindest auf europäischer Ebene eine verstärkte Kooperation die angemessene Antwort auf die am Horizont heraufziehende Gefahr.

Damit ließen sich einerseits gegenüber Donald Trump die Reihen schließen und eine bessere Verteidigung der europäischen Interessen organisieren und wirtschaftlich die Folgen des Brexits und einer zunehmenden Abschottung Amerikas reduzieren. Bleibt zu hoffen, dass Europas Führer weise genug sind, diesen Weg zu gehen.

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