In Thailand herrscht vielerorts Chaos an den Zapfsäulen. Hunderte Menschen stehen mit Kanistern in der Hand, drängen sich um Diesel und Benzin, versuchten noch schnell zu tanken, bevor es zu spät ist.
Von Meinrad Müller
Tankstellen, die am Morgen beliefert worden waren, waren nach zwei Stunden leer – weil plötzlich alle aus Angst, leer auszugehen, gleichzeitig zugriffen.
Treibstoff hamstern mit Kanistern
Pro Kunde gibt es nur noch umgerechnet etwa 25 Euro, was bei den aktuellen Preisen für rund 20 bis 25 Liter Diesel reicht. Danach wird abgestellt. Wer später kommt, fährt mit leerem Kanister wieder nach Hause. In diesem Moment beginnt die Lieferkette zu reißen.
Kein Gemüse in der Suppe, kein Reis auf dem Teller
Ein Fischer ohne Diesel bleibt im Hafen, ein Bauer ohne Diesel kann seinen kleinen Traktor nicht starten. Die Felder bleiben liegen und auf dem Markt fehlen bald die ersten Nahrungsmittel, die sonst selbstverständlich waren. Ohne Treibstoff verrottet die Ernte auf den Feldern.
Kriegsgewinnler überall
Die Zeitung Bangkok Post beschreibt die Lage als Mischung aus Panikkäufen, gestörter Verteilung und Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten. Gleichzeitig wurden mehr als 1.500 Tankstellen und über 50 Lager überprüft, nachdem Hinweise auf Zurückhalten von Treibstoff kursierten. Händler halten Benzin zurück, weil sie wissen, dass sie es nächste Woche teurer verkaufen können.
Der Staat geht noch weiter. Thailändische Exporte von Öl wurden gestoppt, um die eigene Versorgung zu sichern. Tanklager müssen täglich melden, wie viel sie liefern und an wen. Raffinerien fahren ihre Produktion hoch. Selbst alte Lagerbestände, die bisher nicht verkauft wurden, kommen jetzt auf den Markt, um den Druck zu mindern.
Bei Panik entstehen die Schlangen vor der Zapfsäule.
Während der Ölkrise im Jahr 1973 verhängte der Staat an vier Sonntagen ein komplettes Fahrverbot für private Autos. Gleichzeitig wurde Benzin knapp und viele Autofahrer konnten nur noch eingeschränkt tanken.
Wann erleben wir das in Deutschland? Stehen auch hier plötzlich mehr Autos an der Zapfsäule, als tatsächlich versorgt werden können? Sodass am Ende nicht mehr entscheidend ist, wie viel vorhanden ist, sondern wer zuerst da ist oder Beziehungen hat? Die Fahrt zur Arbeit wird unmöglich, Besuche im weit entfernten Krankenhaus und die Einkaufstaschen vom Discounter fünf Kilometer nach Hause tragen? Stadtbewohner finden den Laden um die Ecke, aber auf dem Land wird’s kritisch. Arzttermine in 80 km Entfernung. Und Busse fahren auch nicht überall.
Die Lehre aus Thailand ist einfach und hart: Wer mit leerem Kanister nach Hause fährt, dessen Betrieb steht. Und genau dort beginnt die Krise.
Die Einschläge kommen näher.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



