Der deutsche Schachgroßmeister Matthias Blübaum bereitet sich mithilfe eines Supercomputers auf die Partien beim Kandidatenturnier auf Zypern vor.
Die Hamburger Schachsoftwarefirma ChessBase teilt dem SPIEGEL mit, sie habe Blübaum und seinen Sekundanten freien Zugang zu dem Rechner gegeben.
Den Angaben zufolge befindet sich der Rechner bei einem der großen internationalen Cloud-Anbieter. Mit seinen 64 Kernen kann der Supercomputer demnach grob 50 Millionen Positionen pro Sekunde ausrechnen. Der Supercomputer sei in Verbindung mit den stärksten Schachprogrammen noch mal 1200 Elo-Leistungspunkte stärker als Deep Blue, teilt ChessBase mit. Deep Blue hatte 1997 als erster Computer den damals amtierenden Weltmeister Garri Kasparow unter Turnierbedingungen besiegt. Gegen die neuen Supercomputer hätte Deep Blue heute kaum eine Chance, so stark sind diese mittlerweile.
Der Supercomputer sei viel schneller als herkömmliche Rechner, wenn es darum gehe, Analysen von Schacheröffnungen anzufertigen, sagte Großmeister Dorian Rogozenco, der als Trainer und Autor für ChessBase arbeitet, dem SPIEGEL. Dieser Zeitvorteil sei für das Training für das Kandidatenturnier »sehr wichtig«, so Rogozenco: »Die Profis können mit schnellen Rechnern viel besser analysieren. In der Weltspitze gibt es keine großen Leistungsunterschiede zwischen den Großmeistern, bessere Eröffnungsvarianten können da entscheidend sein.«
Matthias Blübaum ist der erste deutsche Großmeister seit 35 Jahren, der bei einem allgemein anerkannten Kandidatenturnier antritt. Das Turnier hat am 29. April begonnen und läuft bis zum 16. April. Der Gewinner darf Weltmeister Dommaraju Gukesh herausfordern.



