EU will Anbau genveränderter Pflanzen erleichtern. Damit könnten sich in Europa für Unternehmen wie den US-Saatgut-Hersteller Monsanto neue "Marktchancen" ergeben. Die EU-Kommission unterwirft sich der Monsanto-Lobby.
Die Europäische Union hat sich nach jahreslangem Hin und Her in Sachen Gen-Pflanzen endlich dem Diktat von Monsanto gebeugt. Die jahrelange Blockade bei der Zulassung genetisch veränderter Pflanzen soll abgeschafft werden. Der Sprecher von EU-Gesundheits- und Verbraucherkommissar John Dalli bekräftigte am Mittwoch die Pläne für neue Regeln zum Anbau dieser Organismen (GVO) in Europa und bestätigte damit die Vorschläge, die Reuters seit der vergangenen Woche vorliegen.
Demnach soll die EU-Kommission künftig mehr Entscheidungsfreiheit bei den Genehmigungsverfahren bekommen. Im Gegenzug wäre es den EU-Staaten künftig selbst überlassen, ob sie den Anbau genetisch veränderter Pflanzen wie Gen-Mais in ihrem Land zulassen.
Experten rechnen deamit, dass die Anbauflächen, auf denen Gen-Pflanzen kultiviert werden, dadurch deutlich zunehmen werden - das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Im vergangenen Jahr wurden in Europa weniger als 100.000 Hektar für den kommerziellen Anbau von GVO genutzt, vor allem in Spanien. Weltweit waren es dagegen 134 Millionen Hektar.
Das neue Verfahren bedeutet praktisch grünes Licht für den US-Saatgut-Hersteller Monsanto. Profitieren von der neuen Regelung dürfte aber auch die Bayer-Agrarchemiesparte Bayer CropScience, die Dow-Chemica -Tochter Dow Agrosciences sowie den Schweizer Syngenta-Konzern. Für diese Sparte werden sich nun ganz neue "Marktchancen" ergeben.
Bisher scheiterte der Anbau der veränderten Pflanzen am Widerstand in vielen Mitgliedstaaten. Die neuen Regeln würden den weitflächigen Anbau von genetisch veränderten Kulturen in Staaten ermöglichen, die sich bereits dazu bekannt haben. Das sind Spanien, die Niederlande und Tschechien. Die bestehenden Verbote in Italien, Österreich und Ungarn können dem Vorschlag zufolge beibehalten werden.



