Griechenland droht in den nächsten Jahren ein Refinanzierungs-Tsunami. Allein bis Anfang 2012 wird praktisch das gesamte Rettungspaket der EU (= Deutschlands) verfühstückt - mehr also 100 Milliarden.
In seinem Tageskommentar befasst sich HVB Analyst Kornelius Purps mit den anstehenden Refinanzierungsproblemen Griechenlands*)
Griechenland wird schon bis Anfang 2012 praktisch das gesamte Rettungspaket der EU (= Deutschlands) von Mai 2010 verfühstückt haben. Mehr als 100 Mrd EUR nämlich. Natürlich sind das alles "nur" Kredite, an denen "wir am Ende noch gute Zinsen verdienen". Dumm nur, dass die dann ab Anfang 2013 alle gleichzeitig fällig werden und refinanziert werden müssen, da "Tilgung" ja nun keine ernsthafte Option ist.
Bei GR stehen inklusive neuer Schulden ab 2013 dann 70 Mrd EUR p.a. zur Finanzierung an !! Dumm daher auch, dass die Märkte schon lange vorher eine Lösung für danach haben wollen. Der EFSF-Mülleimer als einzig realistischer Alternative sollte aber 2013 eigentlich in der noch immer offiziellen Lesart abgewickelt sein.
Und so hofft GR schon heute auf eine zeitlos unbegrenzte Fortführung des 5%-Kreditgeschenks bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, an dem weltweit alle Schulden ausgebucht werden. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass weder die BuReg bzgl. ihrer noch immer offiziell ablehnenden Haltung ggü. einer Kredit-Verlängerung einknicken sollte noch der EFSF einspringen wird, bleibt in GR immer noch die Hoffnung auf weitere Weltwunder.
Immerhin haben die in GR Tradition: Auf Rhodos und in Olympia gab es schon in der Antike zwei davon auf griechischem Terrain. Und wenn man das damals (= vor den kulturbereichernden Osmanen-Türken) ebenfalls griechische Kleinasien mit einbezieht, standen inklusive Ephesos und Halikarnassos sogar vier der sieben Weltwunder auf griechischem Terrain. Mehr davon - die EU braucht jetzt ein neues griechisches Weltwunder. Sonst muss wieder Deutschland in die Bütt. Oder die EU ist einen Monat nach dem griechischen Austritt mit Haircut per Domino-Effekt selbst am Ende.
*)Prolongation: IWF ist zur Kreditverlängerung an Griechenland bereit, aber Deutschland opponiert
Am Rande der IWF-Tagung gab es offensichtlich Gespräche zwischen der griechischen Führung und dem IWF, unter welchen Bedingungen der Währungsfonds einer Verlängerung seiner Kreditlinien zustimmen würde. Nach derzeitigem Stand der Dinge wird Griechenland zwischen Mai 2010 und März 2012 mindestens 100 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket von EWU und IWF gezogen haben. Dummerweise haben, nach den uns vorliegenden Informationen, alle Kredittranchen die gleiche Laufzeit, nämlich drei Jahre.
Das führt, zusammen mit den fällig werdenden griechischen Kapitalmarktpapieren, natürlich zu einem wahren Refinanzierungstsunami in den Jahren 2013 bis 2015 von bis zu 70 Mrd. Euro pro Jahr.
Bei diesen Aussichten ist jeder Kreditnehmer gut beraten, rechtzeitig mit seinem kreditgebenden Institut über mögliche Prolongationsmodalitäten zu verhandeln. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten: IWF und EWU verlängern ihre Kredite zu ähnlichen Konditionen. Oder aber Griechenland nimmt Rückgriff auf die für genau diesen Zweck bereitgestellte European Financial Stability Facility (EFSF).
Jüngste Analysen haben jedoch herausgefunden, dass die Konditionen für Kredite aus dem EFSF mit rund 8% Effektivzins deutlich schlechter sind als jene, welche für Griechenland individuell vereinbart wurden (rund 5%). Der IWF sagte, er sei zu einer Kreditverlängerung bereit, wenn auch die EWU-Staaten dazu bereit seien. Von denen liegt uns bislang lediglich die Meinung Deutschlands vor: Aus dem Bundeskanzleramt gab es ein kategorisches "Nein".



