Deutsche Bank wird über Vorstands- und Aufsichtsratsspitze möglicherweise in einem Schritt entscheiden. Rückenwind für einen Wechsel Ackermanns in das Kontrollgremium. Entscheidung bis Anfang August wahrscheinlich. Jain nun klarer Favorit, möglicherweise auch als alleiniger Vorstandschef.
Bei der Deutschen Bank könnten die Posten des Vorstandschefs und des Aufsichtsratschefs parallel neu verteilt werden. Wie die Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstagausgabe) aus Bankkreisen erfuhr, sollen einflussreiche Aufsichtsräte bereits Sympathie für einen Wechsel Josef Ackermanns an die Spitze des Kontrollgremiums erkennen lassen. Einen derart profilierten Manager würde jede Bank nur ungern gehen lassen, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Sowohl auf der Arbeitnehmer- als auch auf der Anteilseignerseite soll Ackermann einigen Rückhalt für seine erst vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Ambitionen haben.
Eine Entscheidung könnte kurzfristig fallen, womöglich bis Anfang August. Der Prozess der Nachfolgesuche habe eine neue Dynamik bekommen, sagten mehrere Personen aus dem Führungszirkel der Bank. Am Freitag war bekannt geworden, dass der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber zur Schweizer Großbank UBS geht. Er war Ackermanns Wunschkandidat für die Deutsche-Bank-Spitze. Dass man ihn zur Konkurrenz gehen ließ, wurde in den vergangenen Tagen Aufsichtsratschef Clemens Börsig angelastet. Gleichzeitig sickerte durch, dass Ackermann selbst für dessen Posten zur Verfügung stünde – nachdem er einen Wechsel in den Aufsichtsrat zuvor stets ausgeschlossen hatte.
Nach Ackermanns Kehrwende tut man sich im Kontrollgremium offenbar schwer, sein Ansinnen zurückzuweisen. Der Bankchef dürfe nicht als Verlierer dastehen, nachdem er bereits seinen Wunschnachfolger nicht durchsetzen konnte, heißt es. Einflussreiche Aufsichtsräte wollen stattdessen offenbar die Risse kitten, die sich zwischen dem Schweizer und Teilen der übrigen Bankführung aufgetan haben.
Leidtragender wäre allerdings Börsig – er ist noch bis 2013 zum Aufsichtsratschef bestellt und hatte bislang keine Amtsmüdigkeit erkennen lassen. „Wie derzeit mit Börsig umgegangen wird, das hat er nicht verdient“, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Doch im Sinne einer Gesamtlösung für die Bankspitze komme man womöglich nicht umhin, einzelnen Personen Unrecht zu tun. Allerdings würde eine Entscheidung für Ackermann nicht zwangsläufig bedeuten, dass Börsig sofort abtreten müsste. Denkbar ist auch eine Vereinbarung, dass der Schweizer die Aufsichtsratsspitze im nächsten oder übernächsten Jahr übernimmt. Sein Vertrag als Vorstand läuft ebenfalls bis 2013, das Aktiengesetz legt eine zweijährige Pause für den Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat nahe.
Für die Vorstandsspitze gilt nach dem Wegfall Webers Investmentbanking-Chef Anshu Jain als klarer Favorit. Mit Ackermann als Gegenpart würde es Arbeitnehmervertretern leichter fallen, Jain als Vorstandschef zuzustimmen, heißt es im Aufsichtsrat. Allerdings hat das Kontrollgremium offenbar noch nicht zu einer gemeinsamen Linie gefunden. Auch unter Jains Befürwortern ist noch umstritten, ob der Inder die Bankspitze allein übernehmen sollte oder zusammen mit einem anderen Manager. Eine solche Doppelspitze dürfte allerdings nur als Übergangslösung denkbar sein. Ein Kandidat als Jain-Partner könnte auch deshalb der 62-jährige Jürgen Fitschen sein. Die Vorstandsverträge von Jain, Fitschen und Privatkundenchef Rainer Neske laufen im Frühjahr 2012 aus und stehen längst zur Verlängerung an – dies erhöht den Zeitdruck zusätzlich.