Sarrazin erklärt rückblickend, in dem Jahr habe er „kapiert, wie die Sowjetunion der Stalinzeit ihre Gefangenen umgedreht und sie zu falschen Geständnissen gezwungen hat: Man muss den Menschen nur lange genug isolieren und immer wieder bestimmten Vorwürfen aussetzen, dann gesteht er am Ende die verrücktesten Dinge.“
Der Bestsellerautor und Islamkritiker Thilo Sarrazin hat sich in dem Jahr seit der Veröffentlichung seines umstrittenen Buches nach eigenen Angaben verändert. „Ich bin ein Stück illusionsloser geworden, was die Frage angeht, ob der Mensch gut ist oder nicht. Ich bin auch härter geworden“, sagte der frühere Berliner Finanzsenator und SPD-Politiker der ZEIT. „Vorher hatte ich noch ein paar weiche Ecken. Die sind jetzt etwas abgenutzt“.
Sarrazin, der zuletzt Vorstandsmitglied der Bundesbank war, sagte: „Ich hatte ja nie vorgehabt, meinen bürgerlichen Ruf und meine Tätigkeit bei der Bundesbank zu gefährden.“ Nach der Veröffentlichung des Buches „Deutschland schafft sich ab“, in dem er umstrittene Thesen über die Intelligenz junger Migranten vertrat, verlor Sarrazin seinen Posten.
Sarrazin berichtet, auf seinen Vortragsreisen mit dem Buch seien ihm „zwei, drei Mal junge Männer, offenkundig türkischer oder arabischer Herkunft, aggressiv begegnet“. Viel häufiger sei es aber anders gelaufen: „Da hieß es dann: ‚Boah, ey, sind Sie der Sarrazin?’ Ich weiß nicht, wie viele Handyfotos von mir mit jungen muslimischen Männern existieren.“ Er habe „viele positive Rückmeldungen von integrierten Türken“ bekommen.
Sarrazin erklärt rückblickend, in dem Jahr habe er „kapiert, wie die Sowjetunion der Stalinzeit ihre Gefangenen umgedreht und sie zu falschen Geständnissen gezwungen hat: Man muss den Menschen nur lange genug isolieren und immer wieder bestimmten Vorwürfen aussetzen, dann gesteht er am Ende die verrücktesten Dinge.“ Er habe anfangs „schon einen großen Druck“ gespürt, „bis ich merkte, dass ich auch eine Reihe starker Unterstützer hatte. Ich habe immer wieder geprüft: Wo hat mich jemand bei einem gedanklichen Fehler erwischt? Wo habe ich in der Sache geirrt? Das ist nicht passiert.“
Über seine Zukunftspläne hielt er sich bedeckt: „Ich werde in meinem Leben sicher noch mal etwas schreiben. Aber wann und was, lasse ich an dieser Stelle offen.“



