Genau wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, fällt der Euro nicht an einem Tag. Doch unaufhaltsam schreitet er weiter seinem Todesschicksal entgegen. Welches von den Geschichtsschreibern auserkorenes Datum wird wohl das Endes des Euro markieren?
von Peter Tchir, TF Market Advisors
Genau wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, fällt der Euro nicht an einem Tag. Doch unaufhaltsam schreitet er weiter seinem Todesschicksal entgegen. Welches von den Geschichtsschreibern auserkorenes Datum wird wohl das Endes des Euro markieren?
- Der Tag an dem Griechenland oder ein anderer Staat den Euro abschafft?
- Die Wahlen vom 6. Mai 2012?
- Der Tag an dem die Griechen nachträglich Collective Action Clauses ihren Staatsanleihen hinzufügten und somit eine neue Klasse von Anleihen für die EZB erschufen?
- Der Tag an dem das Engagement des Privatsektors beendet war und neue Staatsanleihen bei nur 20 Prozent des Nennwerts gehandelt wurden?
Ich persönlich glaube, dass die Eurozone seit dem griechischen Schuldenschnitt verdammt ist. Griechenland hat zwar seine Schulden restrukturiert und für unterschiedliche Gläubiger unterschiedliche Regeln erstellt, nichtsdestotrotz werden die neuen Anleihen bei nur 20 Prozent gehandelt! Es ist wie mit alkoholfreiem Bier: Warum sollte man auf der einen Seite auf den besseren Geschmack verzichten, wenn man doch auf der anderen Seite nichts hinzugewinnt? Diese durchaus wichtigen Wahlen ordnen sich nur in eine mehrjährige Kaskade von Ereignissen ein, die letztendlich alle zum Untergang des Euro führen werden.
Wie die Märkte die Wahlen verdauen werden, können Sie in unserem wöchentlichen Bericht nachlesen. Wir sehen schon jetzt das Ende eines ersten kleinen Dämpfers. Nach einigen Reaktionen der Ohnmacht sind die Märkte schon wieder recht stabil und bedrohen schon einige Short-Positionen, die auf ein wirtschaftliches Desaster nach der Wahl wetten. Deutschland meinte, dass es gegenüber Frankreich eine gute Mine aufsetzen wird. Merkel scheint in dieser Konstellation wirklich die schwierigste Position zu besetzen. Während sie und ihre Befürworter immer weniger Unterstützung für die Bailouts erfahren, verlieren auch jene Griechen an Stimmen, die die Bailouts annahmen. Es ist schon eine gewisse Art von Komik, was da alle Welt glaubt. Sowohl der Gläubiger als auch der Schuldner haben das Falsche getan. Das wird im Laufe der Zeit noch mehr Signifikanz erfahren, aber nicht mehr diese Woche.
In den nächsten sieben Tagen wird jeder ganz lieb und freundlich mitspielen. Versöhnliche Worte werden zu hören sein. Wachstum wird das Hauptthema sein. Dann werden die Märkte sich über weitere Bankenhilfen überwerfen. Die Überschriften in den Zeitungen werden gegen Ende der ersten Wochenhälfte hauptsächlich einen Tenor a la „Alles ist okay – kauft weiter“ haben. Europa wird somit einen neues Bewusstsein der Zusammenarbeit erleben und ganz neue Perspektiven erkennen.
Wachstum, Wachstumspakete, Pläne für mehr Wachstum, Verbesserung der Infrastruktur etc. werden die Themen der nächsten Zeit sein. Es wird Diskussionsrunden geben und vielleicht sogar Anstrengungen bei der Rekapitalisierung der Banken. Es wird nur so an Good Banks und Bad Banks wimmeln. Die Regierungen werden den Banken Geld zu Konditionen anbieten, über die kein gesunder Investor jemals auch nur im Traum denken würde.
Am Ende werden diese Pläne natürlich alle erfolglos bleiben. Wir werden in diesem Jahr neue Tiefststände bei den Aktien sehen. Betroffen sein werden insbesondere die USA und Deutschland (beide Länder haben die anderen schon zu weit outperformt), weil:
- Deutschland, Frankreich und die Niederlande werden in Erklärungsnot kommen. Warum sollen sie noch weiter in den Euro investieren? Die Regierungen werden durch das Wahlvolk gezwungen sein sich innenpolitischen Themen zu widmen. Den Märkten dürfte das nicht entgehen.
- Wachstum kann nicht einfach realisiert werden. Wahrscheinlich werden sich die Investoren schlapp lachen, wenn aus dem Konzept „Wachstum“ ein ernstgemeinter Plan wird. Es wird schnell klar werden, dass mit den Plänen kein Langzeiteffekt erzielt werden kann. Und selbst wenn doch, dann nur auf Kosten neuer Schulden. Das wird dem Anleihenmarkt natürlich wenig helfen und zu einer Flucht in Aktien führen, da die Anleger realisieren werden, dass sie wieder von den Versprechungen der Politik hinter das Licht geführt worden.
Das Konzept der Good Bank/Bad Bank ist ein Lacher an sich. Die Rekapitalisierung führt erst recht zum Erhalt von Zombie-Banken. Wenn eine Bank staatliche Hilfen empfängt, ist das bis dahin geheim gehaltene Problem wohl ähnlich groß wie das offensichtliche. Die Manager scheren sich nicht um Schulden und Kredite. Sie wollen sichere Jobs und ein stabiles Gehalt. Sie häufen das Geld an und hoffen ihr Kapital vermehren zu können. Sie hoffen, dass die geheimen Probleme verschwinden, bevor sie jemand entdeckt. Eine neue Bank zu gründen wäre also ideal. Oder man kann auch ein paar Bad Banks pleite gehen lassen, um sie dann wieder frisch zu eröffnen. Den existierenden Banken Steuergelder zu sündhaften Zinssätzen zu leihen, bringt den Bürgern überhaupt nichts. Es bringt auch dem Staat nichts und wenn es überhaupt einen “Gewinner“ gibt, dann sind das die Banken.



