Deutsche Sparer beglücken Europas Banken, weil diese mit hohen Zinsen locken. Im Pleite-Fall wird auf die europäische Einlagensicherungen spekuliert. Geldhäuser sammeln in zwölf Monaten 21,6 Mrd. Euro ein.
Millionen deutsche Kleinanleger stützen mit ihren Ersparnissen den schwer angeschlagenen europäischen Bankensektor. Nach Berechnungen der Financial Times Deutschland sind die Einlagen bei Zweigstellen ausländischer Institute im Zuge der Euro-Krise explodiert. In den zwölf Monaten seit April 2011 landeten unterm Strich 21,6 Mrd. Euro bei nicht-deutschen Banken – Rekord. Dadurch steigen deren Gesamteinlagen um fast die Hälfte an, auf 67 Mrd. Euro. Keine andere Gruppe sammelte seit April 2011 mehr Geld ein als die Auslandsbankfilialen. Die Sparkassen etwa kamen nur auf 17,8 Mrd. Euro.
Die Entwicklung mutet paradox an. Seit der Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise gilt Deutschland als eines der wenigen sicheren Anlageziele innerhalb der EU. Professionelle Investoren wie Fonds oder Versicherer haben daher Hunderte Milliarden Euro in die Bundesrepublik umgeschichtet. Hiesige Sparer gehen derweil den umgekehrten Weg.
Die Bank of Scotland etwa hat nach FTD-Informationen mit hohen Zinsversprechen schon mehr als 5 Mrd. Euro bei deutschen Sparern eingesammelt. Die niederländische ABN Amro nähert sich der 2-Mrd.-Euro-Grenze – obwohl sie erst im Juli 2011 unter der Marke Moneyou startete. Die russischstämmige VTB Direktbank, die mit österreichischer Lizenz um deutsche Sparer buhlt, hat seit Herbst 2011 gut 1 Mrd. Euro kassiert.
Für die europäische Bankenindustrie ist das Vertrauen der deutschen Normalanleger ein Glücksfall. Viele Geldhäuser haben enorme Probleme, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren – zu groß ist die Angst der Anleiheinvestoren vor weiteren Bankenpleiten. Auch untereinander leihen sich manche Institute nichts mehr. Der deutsche Tages- und Festgeldmarkt ist für die Branche so eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt noch an Liquidität zu kommen. Es wäre für die Institute zwar günstiger, sich Geld bei der EZB zu leihen. Die aber verlangt hohe Sicherheiten. Außerdem müssen diese Mittel zu festen Terminen zurückgezahlt werden.
Wie sicher jedoch das Geld der deutschen Sparer bei den ausländischen Instituten ist, lässt sich kaum abschätzen. Die Kleinanleger setzen auf die europaweite Einlagensicherung. Sie garantiert bis zu 100000 Euro pro Sparer. Hinter diesem System verbergen sich aber nur die einzelnen nationalen Sicherungstöpfe – von denen viele kaum gefüllt sind. Die Folge: Wenn etwa eine in Wien gemeldete Bank in Schieflage gerät, müssten deutsche Sparer hoffen, dass der österreichische Steuerzahler einspringt.



