Datenschützer Weichert zu Börsengang von Facebook: Aktionäre müssen damit rechnen, dass "wenn sich der Datenschutz in Deutschland und Europa mit seinen Belangen durchsetzt, das Geschäftsmodell von Facebook in sich zusammenbricht".
Der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, warnt im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitun" (Freitagsausgabe) vor einem Risiko, mit dem der Börsengang von Facebook behaftet sei. "Die bisherigen Kapitalwerte von Facebook beruhen auf einem datenschutzwidrigen Vorgehen, das gegen deutsches und europäisches Recht verstößt", sagte Weichert im Gespräüch mit der F.A.Z..
Er habe die "Befürchtung, dass Facebook versuchen wird, die Daten seiner Nutzer noch stärker auszubeuten". Wer als Aktionär spekuliere, müsse damit rechnen, "dass, wenn sich der Datenschutz in Deutschland und Europa mit seinen Belangen durchsetzt, das Geschäftsmodell von Facebook in sich zusammenbricht."
Die Veränderungen, die Weichert mit seiner Behörde unter anderem in drei derzeit anhängigen Gerichtsverfahren durchsetzen will, sind vielfältig. Wahrscheinlich sei dann "die Datenübermittlung in die Vereinigten Staaten nicht mehr möglich", die Analyse von Verkehrsdaten könne "nur noch sehr beschränkt erfolgen". Es müsse eine bessere Information der Nutzer geben.
Das "Abziehen von Daten dritter Personen, etwa über die Adressbücher", müsse "eingeschränkt, wenn nicht vollständig ausgeschlossen werden". Für die Gesichtserkennung müsse es "saubere Einwilligungsverfahren geben". Und für die Auskunftserteilung über vorhandene Daten und für deren Löschung gebe es klare europäische Richtlinien, die Facebook bislang nicht beachte. Im Prospekt von Facebook werde der Datenschutz zwar als Risikofaktor erwähnt, aber er glaube, "dass sich weder Facebook noch die Kaufinteressenten der Brisanz des Themas bewusst sind", sagte Weichert.



