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Stresstests für Pensionsfonds

EU warnt vor sinkenden Betriebsrenten und fordert Stresstests für Pensionsfonds. „Die Betriebsrenten stehen unter großem Druck – und zwar überall. Das ist eine Bedrohung für die Pensionsversprechen, die in der Vergangenheit gemacht wurden“.


Die europäische Versicherungsaufsicht sieht aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen erhebliche Risiken auf die betrieblichen Pensionskassen in der Europäischen Union zukommen. „Die Betriebsrenten stehen unter großem Druck – und zwar überall“, warnt Gabriel Bernardino, Chef der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen (Eiopa), in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Viele Kassen hätten mit viel zu hohen langfristigen Zinsen kalkuliert, so dass sich Arbeitnehmer auf sinkende Betriebsrenten oder steigende Beiträge einstellen müssten. „Egal, ob in Deutschland, den Niederlanden oder Großbritannien, überall gehen die Einwohnerzahlen zurück. Gleichzeitig zeigen die Aktienmärkte eine hohe Volatilität, die langfristigen Zinsen orientieren sich nach unten. Das ist eine Bedrohung für die Pensionsversprechen, die in der Vergangenheit gemacht wurden“, so Bernardino. Als Folge fürchtet Bernardino, „dass wir auf einen Konflikt zwischen den Generationen zusteuern, wenn wir nicht reagieren – weil künftige Generationen möglicherweise viel geringere Betriebsrenten bekommen dürften.“


Bernardino kritisiert, dass die Eiopa viel zu wenig über die Lage der Pensionskassen in der EU weiß und hält regelmäßige Stresstests für unbedingt notwendig. Da die Pensionsfonds in der EU drei Billionen Euro Kapital zur Verfügung haben und in Anlagen aller Art investieren, seien sie „relevant für die Wirtschaft und die Stabilität unseres Finanzsystems“ und müssten deshalb schärfer beobachtet werden. „Deshalb schlägt Eiopa einen jährlichen Stresstest für große Betriebsrentenfonds auf europäischer Ebene vor. Zusätzlich sollten die nationalen Aufseher in ihrem Land Stresstests organisieren. Kleinere Fonds könnte man weniger häufig testen.“


Kritik von Arbeitgebern und Gewerkschaf! ten, dass die Kosten für die Fonds deutlich steigen werden und das System der deutschen Betriebsrenten bedroht sei, weist Bernardino zurück. „Es ist nicht mein Ziel, ein System zu zerstören oder Betriebsrenten so teuer zu machen, dass sie sich niemand mehr leisten kann. Aber das schlimmste Szenario wäre, wenn die versprochenen Renten ausbleiben, auf die sich alle verlassen. Deswegen müssen wir handeln.“

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