Aus der Euro-Krise wird die Banken-Krise. Doch die Commerzbank steht mit ihrem Kursverlust nicht allein da. Auch die noble Credit Suisse kollabiert. Europäische Banken sind seit Wochen auf Talfahrt. Kurseinbußen von 50%. Versicherungsprämien für Banken steigen drastisch an. Sind die meisten Banken praktisch pleite?
von Michael Mross
Was ist los bei europäischen Banken? Kurse sprechen bekanntlich mehr als 1000 Worte. Besonders eindrucksvoll ist die Talfahrt bei Commerzbank und Credit Suisse. Aber auch andere Nobelhäuser sind in letzter Zeit drastisch gefallen.
Bei der Commerzbank wird als Grund für den Kursrückgang eine "kleine Kapitalerhöhung" genannt. Außerdem will sich das Haus von wichtigen Branchen trennen, so zum Beispiel die Schiffsfinanzierung. Doch das allein kann nicht der Grund sein für den dramatischen Kursrückgang.
Mancher Marktteilnehmer spekuliert, dass nicht nur die Commerzbank, sondern auch viele andere Geldhäuser noch ziemlich viele Leichen im Keller haben, welche mit einer sich zuspitzenden Eurokrise nicht mehr verheimlicht werden können. Und das Problem scheint umso drastischer zu werden, je tiefer die Gemeinschaftswährung fällt, welche derzeit wieder am Zweijahrestief kratzt.
Insgesamt ist zu beobachten, dass innerhalb der letzten Woche die Versicherungsprämien für bestimmte Banken drastisch stiegen. Bei der Commerzbank schnellten die CDS um 10% in die Höhe. Ähnliches gilt auch für die Wackelkandidaten aus der Südschiene und Frankreich. Manche davon, wie die Banco Popolare oder Banco Santander (Spanien) und die Unicredit (Italien) sind CDS-technisch schon längst für pleite erklärt worden. Aber auch bei den Franzosen sieht es nicht gut aus. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Kurse der Schweizer Banken ebenfalls in den Keller gehen, die CDS jedoch relativ stabil sind. So hat die Credit Suisse in den letzten Wochen über 50% an Wert eingebüßt obwohl die Versicherungsprämien kaum angestiegen sind.
Société Générale und Credit Agricole arbeiten sich ebenfalls immer stärker in die rote CDS-Zone vor und erreichen langsam "Südschienen-Qualität". Insgesamt scheint es im Bankensektor extrem zu brodeln, was auch der EZB-Angst-Indikator zeigt. Die Übernachteinlagen bei der EZB liegen immer noch bei knapp unter 800 Milliarden in der Nähe des Rekordhochs. Von Entspannung also keine Spur.
Insgesamt scheint es ein ernstzunehmendes Problem in der internationalen Bankenlandschaft zu geben, welche es als realistisch erscheinen lässt, dass demnächst einige Verstaatlichungen anstehen, zumal sich die meisten Häuser auf diesem Kursniveau kaum noch refinanzieren können. In Anbetracht der Kursentwicklungen sowie den hochschnellenden Versicherungsprämien liegt der Verdacht nahe, dass die meisten Bankhäuser der westlichen Industrienationen pleite sind - wie es bereits auch von verschiedenen Experten (u.a. GEAB) prognostiziert wurde.
Nicht zuletzt kommen nun auch die UK-Banken unter Beschuss. Barclays verloren allein am Donnerstag 15%, RBS über 11% - Verluste die mit dem Euribor Manipulations Skandal zu tun haben.
Damit ist das Bankensystem praktisch in der Todesspirale. Die Pleite einiger würde auch sofort alle anderen mit in den Abgrund reissen, weil alle Banken systemisch miteinander verbunden sind. So ist aus der Euro-Krise nun eine handfeste Bankenkrise entstanden, die derzeit zumindest kaum lösbar erscheint. Denn allen gemeinsam ist, dass die Kredite, auf den sie sitzen, immer fauler werden.
Das CDS-Desaster bei Banken: www.cds-info.com



