Der schlechte Zustand der Bahn schwächt die deutsche Wirtschaft massiv: Verspätungen kosten Milliarden und Lieferketten stocken zunehmend.
Von Meinrad Müller
Im Oktober 2025 lag die Pünktlichkeit der Fernzüge bei nur 51,5 Prozent
Der schlechteste Wert aller Zeiten. Nur eines von hunderten Beispielen: Auf der Strecke München–Salzburg verkehren bis mindestens 4. Dezember nur die Hälfte der ICEs und ECs, Haltestellen lässt man lieber ganz ausfallen wegen maroder Brücken und Oberleitungen. Tausende Weihnachtsreisende stehen in kalten Bahnhöfen. Die Bahn spricht von „technischen Störungen“. Diese Tonbandansagen kennen wir.
Renovierung seit 30 Jahren verschlafen
Bis 2030 fließen über 100 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in das System der Bahn. Oben im Konzernvorstand kassieren die neun Mitglieder 2022 zusammen fast 10 Millionen Euro: vier Millionen Festgehalt plus knapp fünf Millionen Boni, ausgezahlt 2024, obwohl die Pünktlichkeit schon damals im Keller lag. Lokführer bringen im gleichen Zeitraum nach Steuern und Schichtzuschlägen oft nicht mehr als 3000 Euro netto nach Hause.
Alle reden vom Wetter, wir nicht.
Diese Bahnwerbung von vor 40 Jahren ist nur noch Erinnerung. Jeden Tag bleibt statistisch ein Reisezug länger als zwei Stunden auf freier Strecke liegen. Fahrgäste frieren, Entschädigung gibt’s erst ab 60 Minuten (25 %) bzw. 120 Minuten (50 %). Der verlorene Arbeitstag bleibt trotzdem weg.
Für die Wirtschaft ist das Chaos existenziell.
Die Chemiebranche lässt täglich rund 23.000 Tonnen Gefahrgut per Schiene transportieren, vieles darf gar nicht auf die Straße. Doch Güterzüge stehen stundenlang auf Ausweichgleisen, weil Personenzüge und Baustellen Vorrang haben. Mehr als 1300 Kilometer Schienennetz gelten offiziell als „überlastet“, die Trassenpreise steigen 2026 um weitere 7,5 %. Ergebnis: Immer mehr Unternehmen stellen auf Lkw um, obwohl sie das eigentlich nicht wollen.
Die Straßen wachsen weiter: Der Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht bis zu 3.850 km Neubau und Ausbau vor, Hunderte Kilometer pro Jahr. Die Bahn schaffte 2024 gerade mal 44 Kilometer neue oder ausgebaute Schiene.
Steuerzahler, Pendler und Industrie bluten. Die Vorstände kassieren trotzdem. Und das grüne Rückgrat Deutschlands sieht aus wie ein morscher Zaunpfahl.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



