Wer als Anleger zu Weihnachten einen Wunsch frei hätte, der wünschte sich vermutlich Vorhersagen, wie man im kommenden Jahr richtig investiert.
Von Meinrad Müller
Welche Aktie steigt? Welche fällt? Wo der nächste Crash lauert. Solche Geheimtipps liegen allerdings selten unterm Christbaum. Für dieses Wissen muss man arbeiten, hochkonzentriert. Und wir könnten auch einem Mann zuhören, der vieles vorhergesagt und auch vorgemacht hat. In der Praxis. Über Jahrzehnte.
Vor gut 25 Jahren hielt Warren Buffett eine einstündige Vorlesung. Sie ist heute noch genauso aktuell. Vorgestellt wurde er als das „Orakel von Omaha“. Ein Weissager, nicht aus dem weihnachtlichen Morgenland, sondern aus der Stadt Omaha im ländlichen Nebraska. Genau die Vorlesung, die viele hören wollten. Orakel. Vorhersagen. Einen Blick in die Zukunft, ein Stern am Firmament, der den richtigen Weg kennt. Man hing an seinen Lippen.
Warum haben wir ihm damals nicht zugehört?
Seine Rede war schon damals online abrufbar. Jeder hätte sie sehen können. Doch viele erwarteten zu konkrete Antworten. Klare Ansagen. Buffett lieferte etwas anderes. Er sprach darüber, wie Entscheidungen langfristig vorbereitet werden. Das war unspektakulär. Und wurde überhört.
Buffett ist inzwischen 95 Jahre alt. Rüstig. Klar im Kopf. Er spricht ruhig, konzentriert, ohne Hast. Und er sagt im Kern noch immer dasselbe. Seine Firma Berkshire Hathaway verwaltet ein Vermögen von 1 Billion (nach deutscher Schreibweise) Dollar.
Buffett muss nichts mehr verkaufen.
Das Geld läuft ihm nach wie ein kleiner Hund, der Anschluss sucht. Genau deshalb sind seine Aussagen interessant. Sie sind nicht getrieben von Provisionen, Produkten oder politischen Programmen. Buffett widerspricht dem Zeitgeist. Er warnt davor, Karriere und Leben auf kurzfristige Zahlen zu reduzieren. Wer nur dem nächsten Gehaltssprung folgt, hält selten lange durch. Und zahlt oft Lehrgeld.
Beim Investieren bleibt Buffett nüchtern. Investiere nur in Geschäftsmodelle, die du verstehst. Produkte, die auch in zwanzig Jahren noch gebraucht werden. Trends kommen und gehen. Menschen bleiben Menschen. Das Internet, sagt er trocken, werde nicht verhindern, dass weiter Kaugummi gekaut wird.
Fehler verschweigt Buffett nicht.
Seine frühe Investition in eine Textilfirma nennt er rückblickend einen Irrtum. Airline-Aktien ebenso. Entscheidend sei nicht, keine Fehler zu machen. Entscheidend sei, sie zu begrenzen und nicht zu wiederholen. Buffett verzichtet jedoch nicht auf Einschätzungen. Aber er verzichtet auf Gewissheiten. Er arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, die sich rechnerisch ergeben, nicht mit Glück oder Bauchgefühl.
Vielleicht ist das die beste Weissagung für das nächste Jahr. Eine Methode, die auch dann funktioniert, wenn der Zeitgeist sich wieder einmal irrt.
Richtige Überlegungen fallen nicht vom Himmel wie Sternschnuppen. Noch heute liest er stundenlang Wirtschaftsberichte. Und wir? Wir haben keine Zeit, uns wenigstens wöchentlich eine Stunde intensiv mit Wirtschaft zu befassen.
Vor gut 25 Jahren hielt Warren Buffett eine einstündige Vorlesung. Sie ist heute noch genauso aktuell:
Warren Buffett literally gave a free 1-hour masterclass on business and investing.
— Grey (@jgreyfriend) December 18, 2025
Here are 13 timeless lessons every investor should know:
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