Harvard-Professorin und Ökonomin Gita Gopinath fürchtet die Folgen einer platzenden KI-Blase.
»Das wäre schlimmer als der Dotcom-Crash um die Jahrtausendwende, eben weil so viel Geld in US-Aktien geflossen ist«, sagte die ehemalige Vizechefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), dem SPIEGEL. »Sollte sich die Einschätzung zu KI eintrüben, könnten in den USA 20 Billionen Dollar an Aktienvermögen verbrennen, im Rest der Welt 15 Billionen Dollar.«
Lange Zeit habe sich die Diskussion nur um die Produktivitätsvorteile gedreht, die Künstliche Intelligenz (KI) der Wirtschaft bescheren kann, so Gopinath. Doch der Produktivitätszuwachs gehe nicht zwingend Hand in Hand mit der Bewertung von KI-Aktien. »Inzwischen rücken immer mehr die KI-Kosten in den Vordergrund, vor allem die Kosten für Rechenzentren«, sagte Gopinath. »Dass KI die Produktivität erhöhen wird, ist das eine. Aber genauso wichtig ist, dass die KI-Firmen Gewinne machen und ihre Börsenbewertung rechtfertigen. Und genau da bin ich skeptisch, dass alles korrekt bewertet wird.«
Gopinath sieht verschiedene Faktoren, die einen solchen Crash auslösen könnten – etwa einen zweiten Fall Deepseek, also eine Firma, die KI zu einem Bruchteil der Kosten produziert wie die US-Konkurrenten. »Ein weiterer Crash-Auslöser könnte auch sein, dass die Inflation stärker als erwartet steigt, die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöht und für Unternehmen sowie Staaten die Finanzierung der enormen Schulden verteuert«, so Gopinath. »Oder dass die Rendite langfristiger US-Staatsanleihen steigt, weil die Menschen für die Zukunft höhere Inflationsraten erwarten. Das könnte schlimm werden.«



