Haben Trumps Daumenschrauben mehr bewirkt als alle Bomben? Der Iran hat die Straße von Hormus am Freitag für den kommerziellen Schiffsverkehr überraschend freigegeben – zumindest für die Dauer der neuen Waffenruhe im Libanon.
Von Meinrad Müller
Iran öffnet Hormus – vorerst
Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte auf X, die Meerenge sei nun „vollständig offen“ für alle Handelsschiffe. Die Durchfahrt soll allerdings nur auf vom Iran festgelegten sicheren Routen erfolgen und bleibt zivilen Schiffen vorbehalten. Kriegsschiffe sind weiter ausgeschlossen. Die Entscheidung hängt mit dem am Donnerstag vereinbarten 10-Tage-Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zusammen, der in der Nacht zum Freitag in Kraft getreten ist.
Trump: Danke – die Blockade bleibt
Trump schrieb kurz darauf auf Truth Social: „Der Iran hat soeben bekanntgegeben, dass die Straße von Hormus vollständig offen und bereit für die volle Durchfahrt ist. Danke!“ Gleichzeitig betonte er, die US-Blockade iranischer Häfen und Schiffe bleibe „in vollem Umfang bestehen“, bis ein umfassendes Abkommen mit Teheran „zu 100 Prozent“ abgeschlossen sei. Die meisten Verhandlungspunkte seien bereits geklärt, ein Abschluss stehe unmittelbar bevor.
Haben Trumps Daumenschrauben mehr bewirkt als alle Bomben?
Seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar hatte der Iran die strategisch entscheidende Wasserstraße, durch die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases transportiert wird, weitgehend blockiert. Trump hatte mit scharfen Drohungen, Ultimaten und einer Marineblockade reagiert. Nun wirkt es, als hätte der anhaltende wirtschaftliche Druck in Kombination mit der Libanon-Waffenruhe Teheran eher zum Einlenken gebracht als die bisherigen militärischen Schläge. Ob diese Einschätzung zutrifft, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
Wie haben die Märkte reagiert?
Die Ankündigung ließ die Ölpreise deutlich fallen. Brent verlor innerhalb weniger Stunden mehr als 10 bis 13 Prozent und notiert nun bei etwa 86 bis 89 Dollar pro Barrel. Auch WTI gab kräftig nach. Die Aktienmärkte legten weltweit zu. Reedereien wie Hapag-Lloyd zeigten sich jedoch zurückhaltend. Es könne noch einige Tage dauern, bis der Schiffsverkehr wieder das frühere Niveau von rund 130 Schiffen pro Tag erreicht. Offene Fragen zu möglichen Seeminen und Sicherheitsgarantien spielen dabei eine Rolle.
Weitere Infos und Ausblick
Hinter den Kulissen laufen die Vermittlungsgespräche in Islamabad weiter. Ein pakistanischer Vermittler sprach von spürbaren Fortschritten. Die zentralen Streitpunkte bleiben das iranische Atomprogramm sowie das Schicksal des hochangereicherten Urans. In den Freitagsgebeten zeigten sich iranische Hardliner weiter unnachgiebig.
Die Lage bleibt fragil. Sollte die US-Blockade iranische Schiffe weiter behindern, droht Teheran mit einer erneuten Einschränkung der Durchfahrt. Die aktuelle Waffenruhe gilt bis zum 22. April. Dann wird sich zeigen, ob die Deeskalation hält oder der Konflikt erneut eskaliert.
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