Am 7. Mai machte ein Satz von Warren Buffett erneut die Runde. Der Satz ist kurz, hart und für Sparer unangenehm: Berkshire wolle nichts besitzen, das in einer Währung bewertet werde, die „wirklich zur Hölle geht“.
Von Meinrad Müller
Der alte Baumeister aus Omaha
Warren Buffett, 95 Jahre alt, ist der Baumeister von Berkshire Hathaway, einem börsennotierten Konzern mit mehr als einer Billion Dollar Börsenwert. Anleger können dort ganz normal über Aktien einsteigen.
Buffett ist kein Marktschreier. Er verkauft keine Panik. Er redet langsam, denkt lange und kauft nur, wenn andere nervös werden. Genau deshalb wirkt seine Warnung so stark. Wenn so ein Mann beim Dollar das Wort „Hölle“ benutzt, sollte man nicht gelangweilt zur Tagesordnung übergehen.
Der Staat lebt auf Pump
Er zeigte sich besonders besorgt über die amerikanische Finanzpolitik. Auf Deutsch: Der Staat gibt mehr Geld aus, als er einnimmt. Jahr für Jahr. Regierung für Regierung. Wahl für Wahl. Das ist keine höhere Finanztheorie. Das kennt jede schwäbische Hausfrau, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble zitiert wird.
Die USA haben dieses Spiel perfektioniert. Neue Schulden stopfen alte Löcher. Neue Programme beruhigen neue Wähler. Neue Zinsen fressen neue Milliarden. Am Ende soll immer der Bürger die Rechnung tragen. Die Welt soll den Dollar weiter nehmen, weiter halten und weiter an ihn glauben.
Doch Vertrauen ist kein Geldschein. Man kann es nicht beliebig nachdrucken.
Der Dollar verliert erst leise
Eine Weltwährung fällt nicht plötzlich um wie ein morscher Baum im Sturm. Sie verliert zuerst Würde, dann Kaufkraft, dann Respekt. Erst danach verlieren die Menschen das Vertrauen. Genau davor warnt Buffett.
Er erinnerte daran, wie gefährlich es wird, wenn Menschen das Vertrauen in eine Währung verlieren. Für den normalen Bürger klingt das weniger vornehm. Er merkt es beim Einkauf, an der Tankstelle und beim Blick aufs Konto. Die Zahl steht noch da, aber sie kauft weniger.
Volkswirte nennen das Inflation. Politiker nennen es vorübergehend. Der Sparer nennt es Enteignung auf leisen Sohlen. Der Dollar ist noch immer die wichtigste Währung der Welt. Aber auch ein König kann alt werden, wenn sein Hofstaat die Schatzkammer plündert.
Anleger sollten wach bleiben
Buffett flieht nicht panisch aus dem Dollar. Auch das gehört zur Wahrheit. Berkshire sitzt auf einem gewaltigen Berg Bargeld und kurzfristigen Staatspapieren. Der alte Mann aus Omaha rennt also nicht mit Goldbarren durch die Straßen. Er wartet, aber er warnt.
Für Anleger ist das die eigentliche Botschaft. Nicht jeder laute Alarm ist wahr. Nicht jede Beruhigung ist klug. Wer sein Vermögen schützen will, sollte nicht nur auf Zahlen schauen, sondern auch auf die Politik hinter dem Geld.
Gold, Aktien, Immobilien und solide Unternehmenswerte sind keine Zaubermittel. Aber sie erinnern daran, dass Papiergeld am Ende ein Versprechen ist. Und Versprechen von Politikern haben an der Börse selten den Ruf von Granit.
Der Dollar geht vielleicht nicht zur Hölle. Aber Washington heizt schon einmal den Ofen vor.
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