Neues EU-Bürokratiemonster: Das "Entgelttransparenzgesetz" verpflichtet Arbeitgeber Gehaltsdaten herausrücken mit einer umgekehrten Beweislast bei vermuteten Diskriminierungsklagen. Klartext: Jeder darf wissen, was sein Kollege verdient.
Von Meinrad Müller
Bisher hielt dieses kollektive Schweigen den Laden irgendwie zusammen. Doch damit ist jetzt endgültig Schluss. Ab dem 7. Juni 2026 fällt die Geheimhaltungspflicht. Das neue Entgelttransparenzgesetz zwingt Firmen dazu, die Karten auf den Tisch zu legen. Mitarbeiter können künftig genau nachschauen, was auf den Konten der anderen landet. Die gemütliche Zeit der Kaffeeküchen-Spekulationen ist vorbei. Jetzt kommen die harten Fakten.
Auskunfts-Joker für Angestellte
Das neue Gesetz gibt der Belegschaft jetzt ein echtes Machtmittel an die Hand: einen handfesten Auskunftsanspruch. Wer wissen will, was Kollegen in einer ähnlichen Position einsacken, kriegt die Antwort künftig Schwarz auf Weiß vom Chef serviert. Und das gilt nicht mehr nur für die riesigen Konzerne mit eigener Rechtsabteilung. Die Grenze liegt jetzt bei gerade mal 100 Mitarbeitern – damit trifft das Gesetz den ganz normalen deutschen Mittelstand mit voller Wucht.
Wenn Susi merkt, dass Gisela mehr abgreift
In der Praxis dürfte das für massiven Zoff sorgen. Machen wir das Ganze an einem konkreten Beispiel fest: Susi und Gisela machen im selben Büro exakt denselben Job. Ab Juni steht plötzlich schwarz auf weiß fest: Gisela geht jeden Monat mit 100 Euro mehr nach Hause.
Die Folge: Susi kommt frustriert ins Büro und fühlt sich unfair behandelt. Und Gisela? Die muss sich plötzlich rechtfertigen und fühlt sich unwohl, weil der Blick der Kollegin am Kopierer auf einmal ziemlich eiskalt wirkt. Statt die Arbeit wegzuschaffen, fangen die Leute an zu rechnen. Aus Kollegen werden im Handumdrehen erbitterte Konkurrenten.
Weniger Bock auf Leistung
Die Folgen für die Wirtschaft kann sich jeder ausrechnen. Wer jeden Tag Vollgas gibt, schaltet ganz schnell zwei Gänge zurück, wenn der Kollege mit dem entspannten Dienst nach Vorschrift am Monatsende mehr einsackt. Die Motivation sinkt im Keller, sobald der Eindruck entsteht, dass Fleiß sich hinten anstellen muss. Anstatt über Projekte zu reden, wird in den Chefetagen künftig über Gerechtigkeit diskutiert. Es drohen endlose Debatten, Rechtfertigungsrunden beim Vorgesetzten und eine chronisch miese Stimmung im gesamten Team.
Die Wirtschaft schlägt Alarm
Die großen Arbeitgeberverbände BDA und BDI machen deshalb schon seit Monaten mobil gegen die neuen Regeln. Ihre Botschaft ist eindeutig: Das Gesetz bringt nicht mehr Fairness, sondern vor allem Missgunst und Dauerzoff in die Betriebe. Dazu kommt der riesige bürokratische Aufwand für die Personalabteilungen. Viele Geschäftsführer befürchten schlichtweg, dass sie künftig mehr Zeit als Mediatoren verbringen müssen, um zerstrittene Abteilungen wieder an einen Tisch zu bekommen, anstatt sich um das eigentliche Geschäft zu kümmern.
Ein Experiment mit hohem Einsatz
Ob die Arbeitswelt durch den Gehalts-Striptease wirklich gerechter wird, sehen wir ab dem 7. Juni. Die Befürworter feiern das Gesetz als Meilenstein für die Gleichberechtigung. Wenn Susi und Gisela künftig genau wissen, was die andere verdient, schweißt sie das enger zusammen? Oder fliegt der Laden auseinander, weil aus guten Kollegen plötzlich verbissene Neider werden? Der Preis für den Frieden im Büro könnte verdammt hoch werden.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



