Air Berlin nicht geschenkt

    Ryanair-Chef will Air Berlin „nicht mal geschenkt haben“. - „Wir sind daran interessiert, dass Flughäfen möglichst effizient geführt werden und wollen wegkommen von der alten Idee, dass man einen prunkvollen Glas- und Marmorpalast baut.“ - BER ein Scherbenhaufen.


    Ryanair-Chef Michael O’Leary hat im Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe) die "Misswirtschaft" bei Air Berlin kritisiert. Er wolle das Unternehmen „nicht mal geschenkt haben“, sagte O’Leary. „Da findet das Missmanagement auf einem deutlich höheren Niveau als bei Aer Lingus statt.“

    Den irischen Konkurrenten Aer Lingus versucht Ryanair dagegen bereits im dritten Anlauf zu übernehmen. Der erste Versuch ist vor fünf Jahren am Veto der Brüsseler Wettbewerbshüter gescheitert. Auch jetzt hat die EU eine vertiefte Prüfung des Plans angekündigt. Dass O’Leary das Vorhaben nicht aufgibt, begründet er vor allem damit: Aer Lingus sei ein schlecht gemanagtes Unternehmen. Ryanair könne dies deutlich besser. Und auch die Bedenken der Wettbewerbsaufseher werde man dieses Mal ausräumen.

    Ryanair erwägt ebenfalls den Kauf eines Minderheitsanteils an dem Londoner Flughafen Stansted – mit dem Ziel, einen Flughafen mit möglichst niedrigen Kosten daraus zu machen. „Flughäfen sollten so sein wie Aldi und Lidl, sich auf das Wesentliche konzentrieren“, sagte O’Leary. „Wir sind daran interessiert, dass Flughäfen möglichst effizient geführt werden und wollen wegkommen von der alten Idee, dass man einen prunkvollen Glas- und Marmorpalast baut.“ Wohin das führe, sei derzeit in Berlin zu sehen. „Das ist ein einziger Scherbenhaufen, der da entstanden ist – ein großartiges Beispiel für Missmanagement der öffentlichen Hand“, sagte O’Leary.

    O’Leary brachte in den vergangenen Jahren immer wieder seinen baldigen Rücktritt vom Ryanair-Chefposten ins Spiel. Dem Handelsblatt sagte er: „Solange es interessant bleibt, bleibe ich Ryanair-Chef. Und es ist interessant.“ Sollten die Wachstumsraten aber deutlich nachlassen, brauche Ryanair einen anderen Chef: „Einen, der einen Anzug anzieht, der respektvoll mit Politikern umgeht und ihre Spielchen mitspielt – etwa so tut, als ob er wegen der Umwelt besorgt ist und daran glaubt, dass man die Erderwärmung aufhalten kann. Und dafür wäre wirklich ein anderer nötig. Ich kann diese Lügen nicht erzählen.“
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