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Internetmaut kommt | Drucken |
24.07.2010

Seitenanbieter müssen demnächt eine Extragebühr zahlen, wenn ihr Angebot schnell durchs Internet transportiert werden soll. Analog zur Autobahn-Maut will die Telekom eine Art "Internet-Maut" einführen. Kritiker: „Vielleicht wachen wir irgendwann auf und fragen uns, warum wir damals nicht härter dagegen gekämpft haben“.


Die deutsche Internetwirtschaft reagiert mit energischem Protest auf Pläne von Telekom-Chef René Obermann, Webdienste im Internet künftig unterschiedlich zu behandeln. Der Topmanager kündigte eine Art Maut für Internetdienste wie Google und Facebook an, wenn diese ihre Daten auch künftig schnell durch das Telekom-Netz leiten wollen. Wer nicht zahlt, dessen Daten will die Telekom langsamer transportieren.


„Würde der Grundsatz der Netzneutralität fallen, würde das den Innovationen im Internet im Weg stehen“, sagt Lars Hinrichs, der Gründer des bekannten deutschen Karrierenetzwerks Xing, gegenüber der WirtschaftsWoche. Web-Unternehmer Hinrichs warnt die Politik davor, der Telekom und anderen Netzbetreibern eine solche Macht zu übertragen. „Eine solche Macht wird missbraucht werden, von jedem“, sagt er.

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt besteht sicherlich auch darin, dass durch die Übertragungsgeschwindigkeit die Inhalte gesteuert werden können, welche der User sehen kann.


Der Geschäftsführer der großen deutschen Venture-Capital-Gesellschaft Target Partners, Kurt Müller, kritisiert die Gelassenheit, mit der die Internetbranche in Deutschland mit dem Thema umgeht. „Vielleicht wachen wir irgendwann auf und fragen uns, warum wir damals nicht härter dagegen gekämpft haben“, sagt er der WirtschaftsWoche. Denn eines sei für ihn klar: „Unsere Startups brauchen so viel Freiheit wie möglich.“ Jason Whitmire, Partner beim Münchner Wagniskapitalgeber Earlybird sagt: „Hätte es bisher keine Netzneutralität gegeben, es gäbe weder Twitter noch Facebook.“


Telekom-Chef René Obermann pocht jedoch in der WirtschaftsWoche darauf, dass die Netzneutralität abgeschafft werden muss: „Das stark wachsende Datenvolumen macht eine intelligente Steuerung des Internetverkehrs nötig.“ Viele Dienste könnten erst entstehen, wenn die Netzbetreiber eine bestimmte Übertragungsqualität garantieren. „Solche neuen Anwendungen erfordern differenzierte Qualitätsstufen für den Datentransport“, sagt der Telekom-Chef.

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