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Basel III killt Mittelstand | Drucken |
06.09.2010

Sparkassen warnen vor gravierenden Folgen durch Basel III. - Ein Drittel des Kreditangebots in Gefahr. Langfristige Darlehen werden erschwert. Besonders betroffen der Mittelstand.

 

Die Sparkassen sehen durch schärfere Eigenkapitalregeln ein Drittel des Kreditangebots für ihre Kunden in Gefahr. Die derzeitigen Vorschläge des Baseler Ausschusses der Notenbanken und Aufsichtsbehörden bedeuteten „eine Verknappung des Kreditangebots der Sparkassen um mehr als 200 Mrd. Euro“, heißt es in einem Positionspapier des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), das der Tageszeitung DIE WELT (Dienstagausgabe) vorliegt. Außerdem wären die Kreditinstitute nach Ansicht des Verbandes gezwungen, mehr kurzfristige und weniger langfristige Kredite zu vergeben. Der Baseler Ausschuss setzt am Dienstag seine Beratungen über das als „Basel III“ bezeichnete Regelwerk fort.

„Basel III führt zu einer Verknappung der Kreditmittel für Unternehmen“, warnt der DSGV in seinem Papier. Besonders betroffen wäre nach Ansicht des Verbandes der Mittelstand, der sich nicht ohne weiteres Geld am Kapitalmarkt beschaffen könne. Denn nicht nur bei den Sparkassen stehe ein Drittel des Kreditvolumens zur Disposition: „Die Bedingungen bei den Genossenschaftsbanken dürften ähnlich sein“, heißt es in dem Papier.

Die Sparkassen kritisieren außerdem, dass Firmendarlehen systematisch gegenüber Krediten an Staaten benachteiligt würden, da für letztere deutlich weniger Eigenkapital zurückgelegt werden muss. „Damit verschaffen sich die Staaten als Kreditnachfrager einen unfairen Finanzierungsvorteil gegenüber Unternehmen“, schreibt der DSGV.

Als besonders gravierend stuft der Sparkassenverband indes die bisher öffentlich wenig beachteten Liquiditätsvorschriften ein. Sie sollen Banken grundsätzlich dazu zwingen, langfristige Kredite stärker langfristig gegenzufinanzieren.

Die jetzigen Entwürfe seien jedoch „eine Gefahr für die Langfristkultur der deutschen Wirtschaft und der deutschen Privathaushalte“, warnt der DSGV. Denn einlagenstarke Institute wie die Sparkassen wären stärker als bisher verpflichtet, die eher kurzfristig laufenden Einlagen ihrer Kunden bei Bedarf rasch auszahlen zu können.

Dies würde die Vergabe langfristiger Darlehen erschweren: „Nach jetzigem Stand würde dies bedeuten, dass die Sparkassen das langfristige Kreditgeschäft um bis zu 50 Prozent in kurzfristige Finanzierungen umschichten müssten“, schreibt der Verband. Es gehe um ein Volumen von 276 Mrd. Euro. „Zehnjährige Zinsfestschreibungen für Wohnungsbaufinanzierungen oder fünfjährige bei Investitionen von Unternehmen wären dann die Ausnahme.“


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