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Warum Gold ausbrechen wird
08.08.2012

Die aktuelle Lage ist wahrhaftig historisch. Noch nie war die Welt in so einer verfahrenen Situation. Alle bisherigen Krisen oder Kollapse waren immer auf ein Land oder eine Region beschränkt. Aber diesmal betrifft es alle westlichen Industrienationen gleichzeitig. Alle ertrinken in ihrem Schuldenmeer...

 

von Gregor von Greyerz

Intervention, Manipulation und Preisdrückung

Der Goldpreis leidet derzeit unter Interventionen, Manipulationen und Preisdrückung durch Regierungen, Banken und Hedge-Fonds. Der Papiermarkt für Gold ist 100-mal größer als der Markt für physisches Gold und erleichtert dadurch natürlich die gezielte Einflussnahme auf den Goldkurs.

Natürlich haben die Regierungen eine gewisse Ablehnung gegenüber Gold, da es als Indikator für die Abwertung der Papierwährung durch unbegrenztes Drucken gilt. Die Medien haben Gold auch noch nicht verstanden. Wirtschaftssendungen ziehen Gold ins Lächerliche und sogar renommierte Zeitungen, wie die FT, akzeptieren Gold nicht als Geld.

Doch trotz aller Widrigkeiten: in den letzten zwölf Jahren hat sich das gelbe Metall seit 1999 im Wert versechsfacht! Und ungeachtet des riesigen Investitionswillens der letzten Jahre ist nur 1% aller Anlagen in Gold getätigt.

 

Ausbruch

Nun, warum ist es wahrscheinlich, dass Gold in den nächsten Wochen ausbricht? Nach dem starken Anstieg im August 2011 war eine elfmonatige Korrektur- bzw. Konsolidierungsphase zu erkennen. In diesem Zeitraum hat sich jede fundamentale Kennzahl der Weltwirtschaft verschlechtert. Die Eurozone ist ein einziger Müllhaufen und wird sich nie wieder erholen können.

Die britische Wirtschaft ist in einem armseeligen Zustand, aber weil sie - im Gegensatz zu den Ländern der Eurozone - Geld drucken kann, ist sie noch relativ gut dran. Das Gleiche gilt auch für die USA. Die Schuldenmenge steigt exponentiell und es gibt keine ernsthaften Bestrebungen, das Ausgeben von nicht vorhandenem Geld zu unterbinden. Die Gesamtschulden plus Risikopositionen belaufen sich auf fast $500 Billionen. Das schließt ungedeckte Verpflichtungen und Derivatgeschäfte ein. Letztere werden wohl wertlos, wenn die Gegenseite bankrott geht. Eine solche Pleitewelle erscheint nur gar zu wahrscheinlich.

Die meisten Wirtschaftskennzahlen in den USA sind in einem Negativtrend. Noch profitieren die USA vom Medienfokus auf Europa. Doch das wird sich bald ändern. Japan hat ebenfalls einen extrem großen Schuldenberg angehäuft und die Wirtschaft ist extrem schwach. Auch China wird mit seiner Schuldenexplosion schon bald große Probleme bekommen, wenn die Welt aufhört deren Produkte zu kaufen.


Vom Gott aus der Maschine und den schwarzen Jahren

Traurigerweise kann nur ein Deus ex Machina (siehe Artikel vom Dezember 2011) die Welt retten und das ist ein ziemlich unwahrscheinliches Ereignis. Die Regierungen werden weiterhin die einzige ihnen bekannte Methode anwenden: Geld drucken. Unter dem Segen von Ökonomen wie Paul Krugman und Martin Wolf wird Papier farbig bedruckt und „Geld“ genannt.

Das ist natürlich keine Lösung und verschlimmert das Problem nur noch in fataler Weise. Aber die Regierenden glauben, dass dies der einzige Weg zur Befriedung des Wahlvolks sei. Doch trotz der wundersamen Geldvermehrung werden die Regierungen nach jeder Wahl in fast allen europäischen Staaten hinausgeworfen. Noch immer ist das Wahlvolk davon überzeugt, dass die Politik sich von der Wiege bis ans Grab um sie kümmert. Die Zeiten einer Wirtschaft mit freiem Markt sind jedoch vorbei. Der Handel ist zu einem sozialistischen, papierbasiertem Monster mutiert. Wir sind auf dem besten Wege in die schwarzen Jahre, wie ich schon 2009 schrieb (The Dark Years Are Here)


Gelddruck-Rallye

Noch 2012 wird es zu einer riesigen gemeinsamen Anstrengung von EZB, FED und IWF kommen. Noch einmal werden die Pressen mit Maximalgeschwindigkeit rattern. Das wird zu einem Realkollaps aller Währungen führen. Die zusammenbrechenden Währungen werden zu einer hyperinflationären Depression führen. Aber viele Anlagen werden auch real deflationieren, besonders die durch die Kreditblase aufgeblähten Investments. Das beinhaltet also Aktien, Boden und Anleihen genauso wie Schulden, die seit circa 40 Jahren in einer großen künstlichen Blase heranwachsen. Gold wird einer der wesentlichen Gewinner dieser Abschlachtung sein.


Vertrauensverlust gegenüber den Regierungen

Das verlorengegangene Vertrauen gegenüber den Regierungen wird dem Goldpreis zusätzlichen Auftrieb verleihen. Je schlimmer die Gesetzgeber versagen, desto größer wird deren Bedürfnis zu kontrollieren, zu regulieren und zu überwachen. Misstrauen gibt es aber mittlerweile auch im Finanzsystem. Neben anderen sind die Pleiten von Lehman, MF Global und PFG nur die Spitze des Eisbergs.

Natürlich ist es auch schlicht unglaubwürdig, wenn in einem Papiergeldsystem hauptsächlich Banker und das Finanzsystem profitieren. Banker und Banken gehen kontinuierlich Pleite und werden jedesmal noch mehr belohnt, um dann wieder alles zu verlieren. Nie wurde ein Banker für die verlorenen Milliarden bestraft, die letzten Endes von den Steuerzahlern kommen.

Niemand vertraut einem System mit gefälschtem Libor, CDS, Derivaten, Aktienkursen, Rohstoffpreisen etc.

 

Konsequenzen

Das Finanzsystem bricht im Kern auseinander und die bankrotten Banken haben nicht den Hauch einer Chance das Chaos zu beseitigen. Aber sie können und werden den Schmerz und das Leiden solange wie irgend möglich aufschieben. Dazu werden sie weiterhin Schulden aufnehmen, die nie mit normalem Geld zurückgezahlt werden können. Das wird schlussendlich zur „finalen oder totalen Katastrophe im entsprechenden Währungssystem sorgen“ (von Mises).

Die aktuelle Lage ist wahrhaftig historisch. Noch nie war die Welt in so einer verfahrenen Situation. Alle bisherigen Krisen oder Kollapse waren immer auf ein Land oder eine Region beschränkt. Aber diesmal betrifft es alle wesentlichen Weltmächte gleichzeitig. Alle ertrinken in ihrem Schuldenmeer und es wird keinen Gott aus der Maschine geben, der sie retten könnte.

 

Sozialsysteme, Rentensysteme kollabieren

Für eine Welt, die sich an günstiges Papiergeld gewöhnt hat, ist es jedesmal ein großer Schock, wenn plötzlich jemand ein ernstes Problem hat. Die Arbeitslosenquote beträgt schon jetzt 25% in vielen Staaten (USA 23%) und die Jugendarbeitslosigkeit liegt in manchen Regionen schon bei 50%. Dieses Problem wird sich zukünftig noch extrem verschärfen. Doch diesmal wird das beliebte Gelddrucken nicht mehr funktionieren. Die Sozialsysteme werden unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen, den Rentensystemen wird es ähnlich ergehen. Die meisten Rentenpläne sind schlicht und einfach nicht existent, nicht finanziert oder extrem unterfinanziert. Nur sehr wenige Leute werden von ihrer Rente leben können und meistens wird das Ausgezahlte durch die Hyperinflation wertlos. Die sozialen und menschlichen Folgen werden von unüberschaubarer Tragweite sein und noch kommende Generationen belasten.


Gold

Für die wenigen Privilegierten, die einen Wert erhalten müssen, wird Gold eine der hauptsächlichen nachhaltigen Anlagen werden. Die Kaufkraft wird erhalten bleiben und der Goldpreis die Vernichtung des Papiergeldes reflektieren. Doch bedenken Sie, dass das Gold in physischer Form außerhalb des Bankensystems gelagert werden muss.

Gold ist von 255 $ im Jahr 1999 auf $ 1.823 im Jahr 2011 gestiegen


Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern
Diese 8%-Korrektur auf Dollar-Basis im Monatsabschluss ist winzig im Vergleich zum 615 %-igen Anstieg. In den meisten anderen Währungen beträgt die Korrektur nur rund 3%. Die kleine Konsolidierung in Gold wird wahrscheinlich bald enden. Der nächste Schritt könnte explosiv sein und Gold auf $ 3.500 bis $ 5.000 in den nächsten 12-18 Monaten bringen. Mein langfristiges Ziel, das vor einigen Jahren setzte, ist, dass Gold wahrscheinlich 10.000 Euro innerhalb der nächsten 3-4 Jahre erreichen könnte. (Ich drückte diese Ansichten in einem Interview mit Eric King von King World News am 15. Juli 2012) aus.

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