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Staat knackt Schließfächer
18.09.2012

In Deutschland werden Schließfächer knapp. Kunden wähnen ihr Vermögen in den Bank-Tresoren in Sicherheit. Doch der Schein trügt. In Großbritannien wurden 7000 Schließfächer gewaltsam geöffnet wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Kriminalität.

 

von Michael Mross

Der Überwachungsstaat schlägt weltweit zu. In der Schweiz wurde das Bankgeheimnis praktisch abgeschafft. In Deutschland befinden wir uns schon längst banktechnisch im totalen Überwachungsstaat: Behörden haben per Knopfdruck Zugang zu allen Konten. Immer mehr Kunden mieten deshalb ein Schließfach, um ihr Vermögen vor Bank und Staat in Sicherheit zu bringen. Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau werden jetzt sogar die Privattresore bei den Finanzinstituten knapp. Doch diese Sicherheit könnte trügerisch sein.

 

Die Schlinge des Staates für den Zugriff auf das Vermögen seiner Untertanen zieht sich mehr und mehr zu. In Südeuropa gibt es de facto ein Bargeldverbot. Gesetze und Bestimmungen zielen auf Schwarzgeld und nicht versteuertes Vermögen. Unter lautem Beifall des Mainstreams werden Freiheits- und Datenschutzrechte aufgelöst um vermeintliche Steuerhinterzieher, Terroristen, Geldwäscher aufzuspüren. Was liegt da näher, als in Zukunft auch die Schließfächer zu knacken?

 

Sind Schließfächer noch sicher?

Diese Frage kann man mit einem klaren "Nein" beantworten. Der Tag wird kommen, an dem das deutsche Finanzminsiterium per Erlass alle Schließfächer gewaltsam öffnen läßt. Die übliche Begründung: Verdacht auf Geldwäsche, Terrorismus, Steuerhinterziehung. Natürlich wird es ein "ehrliches" Angebot geben: Jeder Schließfachbesitzer kann sich melden und muss dann nachweisen, woher der Inhalt stammt und ob dieser versteuert wurde.

 

Nach inoffiziellen Schätzungen verbergen sich in deutschen Schließfächern zweistellige Milliardeninhalte. Ein gefundenes Fressen für die Steuereintreiber. Denn wer wird schon im Zweifelsfall nachweisen können, woher sein Geld / Gold / Juwelen stammen, wann er sie gekauft hat und wenn ja - auch versteuert? In Schließfächern lagern bekanntlich oft Jahrzehnte alte Vermögen, so dass jeder Nachweis des ordentlichen Erwerbs praktisch unmöglich ist.

 

GB: gewaltsame Öffnung von Schließfächern

Ein besonders spektakulärer Fall einer gewaltsamen Schließfachöffnung ereignete sich 2008 in Großbritannien. Die Behörden öffneten in einer Groß-Aktion 7000 Schließfächer gewaltsam mit dem Winkelschleifer. Begründung: Verdacht auf Geldwäsche und Schwarzgeld, welches in den Fächern gelagert sei.

 

grind

GB: Gewaltsame Öffnung von Schließfächern

 

Die zutage geförderten Vermögenswerte - unter anderem auch Gold - wurden in der englischen Presse wie ein Triumpf gefeiert. In den Zeitungen wurden die Schließfachbesitzer per se als kriminell eingestuft - wer was im "Fach" hat, hat auch was zu verbergen. Scotland Yard vermeldete einen "großartigen Erfolg im Krieg gegen die weltweit organisierte Kriminalität". Insgesamt waren 300 Polizisten im Einsatz um 7000 Schließfächer an drei unterschiedlichen Standorten gewaltsam aufzubrechen.

 

Auch in Großbritannien gab es zwar das zweifelhafte Angebot, dass sich die Schließfachbesitzer melden könnten, um den Nachweis über die Herkunft der Inhalte zu liefern. Doch davon machten nur rund 850 Personen Gebrauch.

 

Die britische Gewaltaktion förderte unter großem Mediengetöse Kisten voller Gold und Goldmünzen zutage, sowie  Bargeld im Wert von rund 35 Millionen Euro. Als Beweis, dass der Inhalt von Schließfächern kriminell sei, wurde auch die Tatsache gewertet, dass in einem Fach historische Gegenstände lagerten oder in einem Fall Elfenbeinzähne und Waffen gefunden wurden.

 

Die Tatsache, dass der Staat sich gewaltsam an Schließfächer heranmacht und diese aufbricht, wurde dagegen in der Presse kaum als fragwürdig thematisiert. So bleibt zu befürchten, dass dieses Beispiel in Zukunft Schule machen könnte.

 

Außerdem besteht eine weiteres Sicherheitslücke, die weitgehend unbekannt ist: bei vielen Banken ist der Inhalt der Schließfächer nicht versichert: Werden die Fächer ausgeraubt oder fallen sie einem Brand zum Opfer, hat der Kunde den Schaden - das allerdings wissen viele Schließfachbesitzer gar nicht.

Fazit: Das Bankschließfach ist der unsicherste Ort, um sein Vermögen in Sicherheit zu bringen.


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