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Das Papiergold-Kartenhaus kollabiert
16.04.2013

Gold crasht an den Börsen ohne dass nennenswerte physische Ware verkauft wird. Ein kleiner Vorgeschmack, auf das, was noch kommen wird, wenn die 640-Billionen-Derivate-Blase an den Finanzmärkten implodiert.

 

von Michael Mross

Gold-Crash an den Terminmärkten. Wen juckt's? Gold bleibt Gold - und das schon seit 5000 Jahren. Der Papiergoldmarkt hat sich komplett von der realen Welt entkoppelt. Experten-Berechnungen zufolge ist der Goldmarkt 1:100 gehebelt, d.h. auf 1 Unze kommen 100 "Papierunzen", verswapt, verliehen, verbrieft, abgehoben im Nirwana der Derivate, durch die schon jetzt niemand mehr durchblickt.

Dass diese Papiergoldwelt irgendwann kollabiert, war nur eine Frage der Zeit. Anders als bei Anleihen oder Aktienmärkten scheint es bei Gold und Silber kein Plunge-Protection-Team zu geben, welches Kursstürze manipulativ verhindert. Im Gegenteil. Im Fall der Edelmetalle muss man eher davon ausgehen, dass die Papiergold-Blase bewusst angestochen wurde. Nun ist Gold im freien Fall und die Botschaft für die Welt ist klar: Edelmetalle sind angeblich auch nicht mehr sicher - so titelt jedenfalls erleichtert die Mainstream-Presse. Angeblich gebe es derzeit keinen Grund mehr für einen "sicheren Hafen". Wirklich nicht?

Der Schein trügt. Es wird eine Zeit kommen, in der sich der reale physische Goldpreis komplett von den Börsen-Notierungen abkoppeln wird. Der Preis wird dann auf der Ladentheke gemacht und nicht mehr im Derivate-Kasino.

Schon jetzt reibt man sich verwundert die Augen: Am Freitag wurden an den Terminbörsen über 1000 Tonnen Gold gehandelt - so viel wie der Jahresbedarf von China und Indien zusammen. Am Montag wurden sogar in einer einzigen Stunde 155 Tonnen abverkauft. - Das alles geschieht wohlgemerkt ohne dass physisch eine einzige Unze über den Tresen ging.

Dies zeigt in aller Deutlichkeit, wie sehr sich die Rohstoffmärkte von der physischen Realität entfernt haben. Diese virtuelle Derivate-Traumwelt platzt gerade. Und die Preisfindung an den Börsen wird immer absurder, bis zu dem Zeitpunkt, an dem niemand mehr den Papiernotierungen glaubt.

Nun kann man im Falle von Gold sehr gelassen bleiben - vorausgesetzt man besitzt es physisch. Anders sieht es allerdings aus, wenn man die globale Derivateblase an den Finanzmärkten betrachtet. Laut Bank Of International Settlement (BIS) bringt es diese derivate Papier-Schein-Welt derzeit auf die astronomische Summe von 640 Billionen Dollar.

Dass diese Blase platzt, ist sicher. Das Problem ist nur, dass es in den meisten Fällen kein phyisches Underlying gibt. Es ist die Derivate-Welt der Kredite und Anleihen, der Währungen und Aktien. Gnade Gott, wenn dieses Papierkartenhaus kollabiert. Dann geht auf der Welt das Licht aus.

Anders als bei Edelmetallen sind derzeit jedoch die hilfreichen Hände der Zentralbanken im Spiel, die alles tun, um den wahren Wert von Staatsanleihen künstlich hoch zu halten. Das gilt für die Fed, die japanische Zentralbank und die EZB gleichermaßen. Der Fächerkanon der Eingriffsmöglichkeiten geht über direkten Kauf von Staatsanleihen bis hin zur aktiven Stützung der Aktienmärkte durch das Plunge-Protection-Team.

Angesichts der Überschuldung ist es geradezu absurd, dass US-Anleihen steigen, während der Goldpreis kollabiert. Aber so ist das halt in einer Planwirtschaft. Und zum Plan gehört auch offensichtlich, Edelmetallpreise nach unten zu schleusen. Um dies zu tun, müssen nur ein paar Milliarden gedruckt werden. Angesichts der Billionen, die sonst im Feuer stehen, geradezu lächerlich wenig.

Aber dieses Spiel wird nicht ewig so weiter gehen. Der Zeitpunkt der Abrechnung kommt. Und er rückt sogar bedrohlich näher. Diejenigen, die sich jetzt über einen kollabierenden Papiergoldmarkt freuen, werden schon bald mit einer schrecklichen Wahrheit konfrontiert: Wenn die 640-Billionen-Derivate-Blase platzt, dann bleibt nichts mehr übrig. Spätestens dann wird auch der letzte Geldillusionist seiner Illusion beraubt.


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