In Social Media kursieren hartnäckige Gerüchte, nachdem die UBS angeblich 5,2 Milliarden Unzen Silber short ist und diese eindecken muss. - Doch diese Behauptungen sind frei erfunden. Der Futures-Markt zeigt keine Anomalien.
Von Michael Mross
In den letzten Tagen hat sich in sozialen Medien und auf Plattformen wie YouTube ein aufsehenerregendes Gerücht verbreitet: Die UBS soll eine massive Short-Position von 5,2 Milliarden Unzen Silber von der übernommenen Credit Suisse geerbt haben. Dieses „Erbe“ sei erst kürzlich aufgetaucht und drohe nun, die Schweizer Bank in eine Krise zu stürzen – mit potenziellen Konsequenzen wie Insolvenz oder sogar Nationalisierung, falls die Position nicht bis zum 10. Februar 2026 geschlossen werde.
Videos mit dramatischen Titeln wie „SWITZERLAND COLLAPSING: UBS $298 Silver Crisis“ oder „UBS PANIC LEAKED: $298 Silver Crisis“ haben Millionen von Aufrufen generiert und spekulieren über einen systemischen Risikobericht der UBS, der eine solche Exposure offenbaren soll. Auf X (ehemals Twitter) teilen Nutzer ähnliche Behauptungen, oft verknüpft mit Verschwörungstheorien um GameStop-Swaps oder andere Derivate.
Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich dieses Gerücht als unhaltbar. Es fehlt an verifizierbaren Quellen, und die aktuellen Marktentwicklungen im Silbersektor sprechen eine klare andere Sprache. Stattdessen deuten die Daten auf eine breit gestreute physische Nachfrage hin, die die Preise treibt – nicht auf eine isolierte Bankenkrise. Lassen Sie uns das Schritt für Schritt beleuchten.
Der Hintergrund: Die Übernahme von Credit Suisse durch UBS
Die UBS hat Credit Suisse im März 2023 in einer von der Schweizer Regierung orchestrierten Notübernahme erworben, um eine globale Finanzkrise abzuwenden. Diese Fusion war von Risiken geprägt: Credit Suisse hatte massive Verluste durch Skandale wie den Archegos-Kollaps oder Geldwäschevorwürfe angehäuft. UBS übernahm nicht nur Vermögenswerte, sondern auch potenzielle „versteckte“ Positionen in Derivaten und Rohstoffen.
Allerdings wurden diese Risiken in umfangreichen Due-Diligence-Prozessen und regulatorischen Prüfungen durch die Schweizer Nationalbank (SNB) und Finma analysiert. Offizielle Statements der UBS, wie jene vom Januar 2026 zu Kapitalanforderungen, sprechen von Belastungen durch ausländische Töchter, aber nicht von einer Silber-Short-Position in Milliardenhöhe. Ein solches Exposure würde die Kernkapitalquote der Bank um über 200 Prozent übersteigen und wäre unmöglich unbemerkt geblieben – insbesondere in einem regulierten Umfeld wie der Schweiz.
Warum das Gerücht unhaltbar ist
Das Gerücht basiert hauptsächlich auf angeblichen „Leaks“ eines internen UBS-Risikoberichts, der eine Short-Position von 5,2 Milliarden Unzen (rund achtmal die jährliche globale Silberproduktion) beschreibt. Doch diese Zahl taucht ausschließlich in unverifizierten YouTube-Videos und X-Posts auf, oft von Content-Creators, die mit sensationalistischen Inhalten Aufrufe generieren.
Kein anderes Medium wie Reuters, Bloomberg oder die Wall Street Journal berichtet darüber. Stattdessen werden ähnliche „Banken-Silber-Krisen“-Gerüchte explizit als Falschmeldungen enttarnt. UBS selbst prognostiziert in offiziellen Research-Reports steigende Silberpreise (bis zu 85 USD/Oz im Q1 2026) und empfiehlt sogar Long-Positionen – kaum das Verhalten einer Bank, die in einer existentiellen Short-Krise steckt.
Zudem widerspricht die Marktrealität: Wenn UBS tatsächlich eine solche Position schließen müsste, würde das massive Käufe auf den Futures-Märkten auslösen, was zu extremen Volumen-Spitzen und Preissprüngen führen würde. Doch die COMEX-Daten zeigen keine solchen Anomalien. Open Interest in nahen Kontrakten steigt zwar, aber das ist auf eine allgemeine „Backward-Rolling“-Bewegung zurückzuführen – Trader rollen Positionen vorwärts, um physische Lieferung zu vermeiden, was auf Knappheit hinweist, aber nicht auf eine einzelne Bank.
Die wahren Treiber der hohen Silberpreise: Physische Nachfrage am Spot-Markt
Der Silberpreis hat im Januar 2026 neue Höchststände erreicht – über 91 USD/Oz, ein Plus von über 5 Prozent am Tag und 200 Prozent im Jahresvergleich. Das hat nichts mit einer UBS-Krise zu tun, sondern mit strukturellen Marktfaktoren:
- Physische Knappheit und Defizite: Die globale Silbernachfrage übersteigt die Minenproduktion seit fünf Jahren. 2024 betrug das Defizit 148,9 Millionen Unzen, kumuliert über vier Jahre 678 Millionen Unzen. Industrielle Anwendungen (z. B. Solarpaneele, Elektronik) verbrauchen 60 Prozent der Produktion, und der investierbare Float ist begrenzt.
- Backwardation-Signale: Der Futures-Markt zeigt tiefe Backwardation (nahe Kontrakte teurer als ferne), was auf akute physische Nachfrage hinweist. Trader fordern Lieferung jetzt, nicht später – ein Zeichen für Engpässe in der Lieferkette, nicht für Banken-Short-Covering.
- Spot vs. Paper: Der Spot-Markt (physische Lieferung) treibt die Preise, während Papierkontrakte (Futures) oft cash-settled werden. Prämien auf physisches Silber haben sich erweitert, da Käufer reales Metall verlangen. Das erklärt die Bifurkation: Physische Preise steigen stärker als Futures.



