Wer physische Edelmetalle hält, sitzt derzeit nicht nur auf einer Versicherung gegen Inflation oder Crash – sondern potenziell auf einem Baustein der nächsten monetären Ordnung.
Von Chris Steinwers
Das Jahr 2025 war für Gold, Silber & Co. ein historisches Comeback-Jahr – und 2026 scheint nahtlos anzuknüpfen. Rekordpreise, massive Zentralbankkäufe, strukturelle Knappheiten und die beschleunigte De-Dollarisierung zeichnen ein Bild, das weit über eine normale Rohstoff-Rallye hinausgeht. Viele Beobachter sprechen bereits von einem fundamentalen Paradigmenwechsel: Edelmetalle kehren von der reinen „Krisenversicherung“ zurück in die Rolle eines zentralen Elements des globalen Finanzsystems.
2025 in Zahlen: Der bisherige Höhepunkt
Gold: Von ca. 2,800 USD Anfang 2025 auf Höchststände um 4,635 USD – Jahresplus von rund 65 % (in Euro ca. +50 %). Aktuell (Mitte Januar 2026) pendelt der Preis um 4,616–4,631 USD.
Silber: Die mit Abstand spektakulärste Performance – bis zu +149–170 % je nach Quelle, mit Spitzen über 92–93 USD pro Unze. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt zeitweise bei ca. 1:50 (historisch oft 1:15–1:50 als „fair“ gesehen).
Platin & Palladium: Platin legte teils +122 % zu (auf ca. 2,400–2,424 USD) und wird für 2026 als potenzieller „Comeback-Kandidat“ gehandelt. Palladium stieg um +72–100 % (auf ca. 1,823–1,920 USD).
Diese Zahlen sind kein Zufall. Sie resultieren aus einem Mix aus klassischen und neuen Treibern.
Die Treiber des Wandels – Warum es diesmal anders ist
1. Zentralbanken als Super-Käufer BRICS-Staaten (erweitert um Ägypten, Äthiopien, Iran, UAE, Indonesien) haben 2025 fast 800 Tonnen Gold hinzugefügt – die kombinierten Reserven liegen nun bei über 6.000 Tonnen. Russland und China kaufen seit Jahren systematisch, Indien und Brasilien verstärken das Tempo. Gold wird nicht mehr nur als Diversifikation gesehen, sondern als neutrale Reservewährung ohne Gegenparteirisiko in einer multipolaren Welt.
2. De-Dollarisierung wird konkret BRICS Pay und vergleichbare Systeme reduzieren den Dollar-Anteil im Intra-Block-Handel bereits um bis zu zwei Drittel. Pilotprojekt „The Unit“ (seit Ende 2025): Eine gold-gestützte Settlement-Einheit (40 % Gold, 60 % BRICS-Währungskorb) wird 2026 ausgeweitet. Ziel: Weniger Abhängigkeit vom US-Dollar als Abrechnungs- und Reservewährung. Das stärkt langfristig die Nachfrage nach physischem Gold als Brücken-Asset.
3. Strukturelle Knappheit – vor allem bei Silber Silber leidet seit 8 Jahren unter Angebotsdefiziten. Ca. 70 % der Nachfrage kommen aus Industrie & Zukunftstechnologien (Solar, Elektronik, Batterien, KI-Hardware). Zentralbanken (Russland, Saudi-Arabien) kaufen neuerdings auch Silber – ein echter Paradigmenwechsel, da Silber jahrzehntelang fast ausschließlich als Industriemetall galt.
4. Geopolitik & Misstrauen gegenüber Fiat-Geld Geopolitische Krisen (USA–Venezuela, Taiwan-Spannungen, Nahost), anhaltende Überschuldung westlicher Staaten und sinkendes Vertrauen in die Unabhängigkeit der Fed treiben Investoren und Staaten gleichermaßen in „harte Assets“.
2026-Ausblick: Weiterer Anstieg oder Konsolidierung?
Die meisten großen Institute (JPMorgan, Goldman Sachs, diverse Rohstoff-Analysten) sehen Gold Ende 2026 deutlich über den aktuellen Niveaus – häufig genannte Ziele: 4,400–4,600+ USD. Silber könnte bei anhaltender Knappheit und Industrie-Boom sogar Gold outperformen. Platin/Palladium profitieren potenziell von einer Erholung in Auto- & Wasserstoff-Sektoren. [](grok_render_citation_card_json={"cardIds":["dc4d14"]})
Risiken bleiben:
Starke Zinssenkungen der Fed → kurzfristig weniger Druck in „sichere Häfen“. Wirtschaftliche Erholung → mehr Risikoappetit → Abfluss aus Edelmetallen in Aktien. Regulierungs- oder Steuermaßnahmen (besonders in den USA).
Trotzdem: Die strukturellen Treiber (De-Dollarisierung, Zentralbankkäufe, physische Knappheit) sprechen für einen längerfristigen secular Bull-Market, nicht nur für einen zyklischen Aufschwung.
Zurück ins Zentrum des Systems?
Wir erleben möglicherweise den Beginn einer neuen Ära, in der Edelmetalle – allen voran Gold – wieder als fundamentaler Anker des Finanzsystems wahrgenommen werden, ähnlich wie vor 1971 (Ende Bretton Woods). Silber könnte dabei vom „vergessenen Bruder“ zum strategisch unverzichtbaren Asset aufsteigen.
Wer physische Edelmetalle hält, sitzt derzeit nicht nur auf einer Versicherung gegen Inflation oder Crash – sondern potenziell auf einem Baustein der nächsten monetären Ordnung.
Die entscheidende Frage für 2026 lautet daher nicht „ob“, sondern „wie schnell und wie weit“ dieser Paradigmenwechsel voranschreitet.



