Überlegungen zu den Geschehnissen am Goldmarkt, mit möglichen übergeordneten geopolitischen und finanzpolitischen Motiven der USA.
Von Sascha Opel
Nicht nur Verschwörungstheoretiker könnten auf die Idee kommen, dass der Goldpreis tatsächlich irgendwann wieder (zu einem viel höheren Preis) zum US-Dollar gefixt wird, um die US-Staatsschulden (zum Teil) „einzufangen“. Steht Gold beispielsweise bei Summe xxxxx USD, könnte man sich als US-Präsident hinstellen und sagen:
„Unsere 8.133 Tonnen Gold decken unsere Staatsschulden weit mehr ab, als dies in anderen Währungsräumen der Fall ist. Deshalb sind US-Staatsanleihen und damit der USD nach wie vor die sicherste Währung der Welt.“
Man würde damit quasi den Spieß umdrehen. Jahrelang hat die FED den Goldpreis gedrückt, um Gold nicht als Konkurrenz zu US Staatsanleihen aufkommen zu lassen. Dadurch hat man anderen Notenbanken ermöglicht, Gold zu viel zu günstigen Kursen anzuhäufen. Bevor beispielsweise China und die BRICS durch den Exit aus US-Staatsanleihen einen noch größeren Goldbestand aufbauen und damit dem US-Dollar eines Tages durch einen „eigenen Goldstandard“ Konkurrenz machen können, muss die USA den Goldpreis nach oben treiben, um dies zu verhindern. Gleichzeitig schwächt man temporär den USD, was erklärtes Ziel im Mar-a-Lago-Accord von Stephen Miran ist.
Und wenn man vorher weiß, dass man den US-Dollar irgendwann wieder ans Gold koppelt, spielt auch die Verschuldungorgie nur eine untergeordnete Rolle.
Denn: wenn die USA jetzt noch mal Vollgas geben in Sachen Verschuldung für Rüstung (oder den „Kauf“ von Grönland) und so weiter, man jedoch weiß, dass man die Schulden in nicht allzu ferner Zukunft mit einer wie auch immer gestalteten Art des „neuen Goldstandard“ wieder „einfängt“, dann hat man natürlich einen enormen Wettbewerbsvorteil und kann entsprechend wirtschaftspolitisch und geopolitisch Vollgas geben.
Um die US-Staatsschulden in Höhe von 38 Billionen US-Dollar (Stand Ende 2025/Anfang 2026) vollständig durch die offiziellen Goldreserven der USA (ca. 8.133,5 Tonnen) zu decken, müsste der Goldpreis auf ein theoretisches Niveau von etwa 145.000 US-Dollar pro Feinunze steigen.:
Schuldenstand: ~38 Billionen
US-Goldreserven: ~8.133,5 Tonnen (ca. 261,5 Millionen Feinunzen).
Der Buchwert des Goldes der USA basiert übrigens noch immer auf dem veralteten Kurs von 42,22 USD pro Unze. Hier ist also deutliches bilanzielles Aufwertungspotenzial vorhanden. Wahrscheinlich würde es jedoch reichen, wenn 20-25 % der Staatsverschuldung durch Gold gedeckt sind, wenn eine entsprechende Ausgestaltung eines neuen Goldstandardes beschlossen und bekannt gegeben werden würde.
Der offizielle Goldpreis in den USA wurde im Zuge der Maßnahmen gegen die Weltwirtschaftskrise von 20,67 US-Dollar auf 35 US-Dollar angehoben. Diese Anpassung erfolgte durch den Gold Reserve Act am 31. Januar 1934 unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Hintergrund: Um die Deflation zu bekämpfen und die Geldmenge zu erhöhen, wurde der Dollar abgewertet und der Goldpreis künstlich um fast 70 % erhöht. Dieser Preis von 35 $ pro Unze blieb dann bis zur teilweisen Aufhebung der Goldbindung 1968/1971 bestehen.
Als man den Goldpreis 1934 von 20,67 auf 35 USD erhöhte, garantierte man den US-Goldminen diesen Abnahmepreis. So wurde viel Gold produziert (Goldminenaktien waren damals die Outperformer) und in die Tresore des US-Finanzministeriums geleitet. Daran könnte man sich natürlich auch in Zukunft ein Beispiel nehmen.



