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Geheime Goldpolitik: Warum Zentralbanken den Goldpreis steuern
28.04.2010

Der gedeckelte Goldpreis hat über die Jahre zum Gedeihen der Finanzsystemkrise beigetragen. Dimitri Speck, Gründungspartner und Chief Financial Engineer von Staedel Hanseatic, deckt in seinem neuen Buch die Praktiken der geheimen Goldpolitik durch Zentralbanken auf. Eine Rezension.

 

Schauen wir zu Beginn aufs Grundsätzliche. Ein wiederkehrendes Dilemma, das sich beobachten lässt, wenn es darum geht, gute Sachbücher zu gleichsam kontroversen wie wichtigen Themen zu finden, ist jenes, dass sie nur in den seltensten Fällen auf deutsch erhältlich sind. Vielfach hat das damit zu tun, dass in deutschsprachigen Landen kaum mehr Sachbücher geschrieben werden, die man wirklich gelesen haben sollte. International fallen die meisten Sachbücher, die bei uns zu Bestsellern werden, völlig unter den Tisch. Es braucht sie niemand und kein Hund bellt danach.

Noch häufiger dagegen, so scheint’s, werden unbequeme Sachbücher, die im Original auf englisch erschienen, nicht ins Deutsche übersetzt – und falls doch, dann Jahre, bisweilen sogar erst Jahrzehnte später. Man könnte ganze Regale mit englischsprachigen Büchern füllen, die nie auf deutsch erschienen, obwohl sie unser Wissen und unseren Blick auf die Dinge ungemein schärfen könnten. Verglichen damit, steht das deutschsprachige Regal zeitgenössischer Sachbücher, die das Gleiche vollbrächten, beinahe leer.

Hier nun soll die Rede sein von einem deutschsprachigen Buchtitel, dem man wünscht, dass es seinen Weg hinaus in die Welt finden möge. Es gehört zu jenen Büchern, die in ihrem Bereich einen „großen Wurf“ darstellen. Wer wüsste denn schon auch nur eine Handvoll Bücher zu benennen, die die sich auf exzellente Weise eines der wichtigsten finanzpolitischen Themen unserer Tage widmen: dem der Manipulation des Goldpreises durch die mächtigsten Zentralbanken der Welt?

Spekulationen über diese Aktivität gibt es freilich viele und sie halten sich hartnäckig, insbesondere naturgemäß im Alternativmedium Internet, da die großen Informationsorgane mit der entsprechenden Reichweite seit Jahr und Tag einen enorm weiten Bogen um die Problematik machen. Seltener noch bereitet sich ein fachkundiger Zeitgenosse die Mühe, ein ganzes Buch zu dem besagten Themenkomplex zu verfassen. Überdies ist, das wissen wir, gut gemeint mithin das Gegenteil von gut gemacht. In dem Buch, um das es geht, „Geheime Goldpolitik“ von Dimitri Speck, finden gut gemeint und gut gemacht ideal zueinander.

Jene Kritiker, die rigoros abstreiten, dass Zentralbanken erpicht sind, den Goldpreis künstlich nach unten zu drücken, werden mit Specks Werk auf alle Fälle ihre „helle Freude“ erleben. Wer es gar demontieren und ad absurdum bringen möchte, dem sei an dieser Stelle vorab viel Glück gewünscht; er wird es bitter brauchen. Die Beweisführung, die der Autor vornimmt, ist äußerst stichhaltig, seine Quellenangaben sind eine Fundgrube erster Güte, und wo es ihm geraten scheint, besser Vorsicht walten zu lassen, da enthält er sich bewusst eines letzten Urteils. Der Rest reicht allerdings vollkommen aus, dem unvoreingenommenen Leser klar vor Augen zu führen, dass faule Dinge auf dem Goldmarkt vor sich gehen.

So kann Speck, der sich auf das Erkennen von Marktanomalien spezialisiert hat, ohne wenn und aber nachweisen, dass der Goldpreis immer wieder gerne von einer Sekunde auf die andere – und ohne, dass es eine erkennbare äußere Ursache dafür gäbe – „wie ein Stein“ in die Tiefe fällt. Die gleiche auffällige Extrembewegung nach oben wird man hingegen vergeblich suchen – nicht, weil sie unterschlagen würde, sondern ganz einfach, da es sie schlichtweg nicht gibt.

Als wohltuend darf vermerkt werden, dass der bewanderte Autor bestrebt ist, seinen weniger bewanderten Leser niemals zu überfordern. Allzu großes Wissen wird kaum bis überhaupt nicht vorausgesetzt. Mit einer Sprache, die zwar schnörkellos, aber nicht bar jeder Eleganz gehalten ist, werden anfangs die essentiellen Dinge erläutert, die bei einer finanzpolitischen Betrachtung des Goldes von Belang sind. Dazu zählt gewiss auch eine Klärung der Frage, wann denn die Goldpreisdrückung moderner Prägung eigentlich anfing. Demjenigen Leser, der nach einem exakten Datum trachtet, kann von Herrn Speck auf die Sprünge geholfen werden: es war der 5. August 1993. Warum die Preisdrückung gerade zu diesem Zeitpunkt einsetzte, diskutiert der Verfasser erschöpfend im Detail.

Des Weiteren erklärt Dimitri Speck im Laufe des Buches, inwiefern der gedeckelte Goldpreis über die Jahre zum Gedeihen der Finanzsystemkrise beitrug. Umsonst macht er nicht darauf aufmerksam, dass ein wesentlicher Teil des Dramas, dessen Zeugen wir sind, darin besteht, dass keine Inflation dem Wert des Goldes etwas anhaben kann und dass es sich damit im direkten Wettbewerb zum staatlichen, von Zentralbanken herausgegebenen Papiergeld befindet.

Wir wünschen Herrn Speck eine möglichst breite Leserschaft. Der große Wurf, der ihm gelungen ist, hätte es vollauf verdient, und über eine Übersetzung in die englische Sprache würden wir uns auch sehr freuen, um noch mehr Menschen erreichen zu können. Das deutschsprachige Regal zeitgenössischer Sachbücher, die es wirklich zu lesen lohnt, ist um ein wichtiges Exemplar reicher geworden.

Dimitri Speck: „Geheime Goldpolitik. Warum Zentralbanken den Goldpreis steuern“, erschienen Januar 2010 im FinanzBuch Verlag München, 336 Seiten, 24,90 Euro. (www.finanzbuchverlag.de)

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