Bundestag und Länderparlamente verkommen zu Selbstbedienungsläden mit automatischen Steigerungen pro Jahr. Abgeordnete leben mit Fahrer und Vergünstigungen wie Maden im Speck und jedes Jahr wird es mehr. Dazu locken Traum-Pensionen.
Von Michael Mross
Während Bürger mit Inflation, hohen Energiepreisen, Sparpaketen und stagnierenden Reallöhnen kämpfen, greift der Bundestag tief in die eigene Tasche. Zum 1. Juli 2026 sollten die Diäten der 630 Abgeordneten automatisch um rund 497 Euro pro Monat steigen – auf über 12.300 Euro brutto. Das sind fast 6.000 Euro mehr pro Jahr pro Abgeordnetem. Insgesamt fast 3,8 Millionen Euro zusätzliche Belastung für den Steuerzahler.
Aktuelle Bezüge eines Bundestagsabgeordneten (Stand Mai 2026)
- Abgeordnetenentschädigung (Diät): 11.833,47 € brutto/Monat (steuerpflichtig)
- Steuerfreie Kostenpauschale (Amtsausstattung): 5.467,27 €/Monat
- Gesamt monatlich: ca. 17.300 € (vor Steuern)
- Jährlich: über 200.000 € Gesamtleistungen
- Zusätzlich: Kostenlose 1. Klasse Bahn (auch privat), Büromaterial, Mitarbeiterpauschalen, Fraktionszulagen
Der geniale Selbstbedienungs-Trick: Die Automatik
Seit 2014 haben sich die Abgeordneten einen Automatismus gegönnt: Die Diäten steigen automatisch mit dem Nominallohnindex des Statistischen Bundesamtes. Keine lästige öffentliche Abstimmung mehr, keine unangenehmen Debatten. Einfach laufen lassen – jedes Jahr. Ein klassisches Beispiel für politische Selbstbedienung.
Die aktuelle Erhöhung um 4,2 % wäre bereits die dritte kräftige Anpassung in kurzer Zeit. Gleichzeitig wird überall gespart: Bei Rentnern, Familien, Krankenkassen und Kommunen. Aber für die Volksvertreter muss es natürlich immer aufwärts gehen.
Die üppige Altersversorgung – das eigentliche Skandal-Thema
Nach nur einem Jahr im Bundestag erwirbt ein Abgeordneter bereits Anspruch auf ca. 296 € Pension pro Monat. Pro Jahr Mandat gibt es 2,5 % der aktuellen Diät. Nach 26 Jahren sind satte 65 % möglich – aktuell rund 7.700 € Pension monatlich, ohne eigene Rentenbeiträge zu zahlen. Viele normale Bürger müssen 45 Jahre arbeiten und bekommen trotzdem weniger.
Kritik am System
• Warum koppeln sich Politiker an die Lohnentwicklung, während sie selbst die Rahmenbedingungen dafür schaffen?
• Warum keine echte Transparenz und regelmäßige öffentliche Rechtfertigung?
• Warum keine Pflicht in die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung einzahlen wie jeder normale Arbeitnehmer?
Es geht nicht darum, dass Abgeordnete arm sein sollen. Gute Bezahlung sichert Unabhängigkeit. Aber in Zeiten, in denen der normale Bürger den Gürtel enger schnallen soll, wirkt diese automatische Selbstbedienung arrogant und abgehoben. Das Vertrauen in die Politik leidet massiv darunter.
Fazit: Die geplante Diätenerhöhung sollte nicht nur ausgesetzt, sondern der gesamte Automatismus abgeschafft werden. Mehr Demut und Augenmaß wären angebracht. Der Bundestag ist kein Selbstbedienungsladen – er sollte dem Volk dienen, nicht sich selbst.



