Die nachfolgenden Ratschläge sind natürlich allesamt frei erfunden und entstammen der blühenden Phantasie des Autors. Er schützt sich damit und hofft, dass keine unnatürliche Verkürzung seines Lebens eintrete.
Von Meinrad Müller
Alles spielt deswegen in einem fernen Inselreich weit weg von jeder Demokratie – irgendwo zwischen Polen und dem ostindischen Ozean. Dort haust ein Völkchen, bei dem viele mit dem Oberbuchhalter des Reiches verwandt, verschwägert oder durch finanzielle Zuneigung verbunden sind.
Schritt 1: Die richtige Position (Zugang zum Trog)
Zuerst brauchst du Zugang. Am besten wirst du Berater oder „engster Vertrauter“ des Oberbuchhalters. Verwandtschaft hilft, eine gemeinsame Geliebte noch mehr. Wer das nicht hat, sollte dieselbe Universität besucht und dort die Prüfungen dank Spenden „gemeinsam bestanden“ haben. Das schafft Vertrauen durch garantierte Erpressbarkeit. Sobald du das Büro hast, baust du ein großes Tor zu deinem Bunkerkeller, damit LKWs mit bunten Scheinen problemlos einparken können.
Schritt 2: Das Geschäftsmodell (Der kreative Aufpreis)
Du vergibst große Staatsaufträge im nationalen Energiesektor, besonders gern bei der staatlichen Atom- oder Pipeline-Agentur. Bestechlichkeit ist hier kein Makel, sondern die Grundvoraussetzung für zügige Verfahren. Der Trick ist simpel: Du nimmst nicht den billigsten Anbieter, sondern den, der am meisten „Dankbarkeit“ zeigt.
Ein Konzern will einen Zuschlag für einen Auftrag von 800 Millionen Dollar. Du deklarierst das Projekt im Budgetplan mit 1,2 Milliarden. Die Differenz von 400 Millionen wird verteilt: Über 100 Millionen wandern als Sofort-Dankbarkeit in bar oder Krypto an den inneren Zirkel. Der Rest geht als „Beratungshonorar“ an Scheinfirmen der Familie. Die westlichen Finanziers dieses Reiches sind zum Glück extrem großzügig – ein paar verschwundene Milliönchen gelten dort als unbedeutendes Kleingeld, das man im Budget kaum bemerkt.
Schritt 3: Der europäische Luxus-Effekt
Das Schwarzgeld muss natürlich gewaschen werden. Ein genialer Trend ist das Investieren in exklusive Luxus-Wohnanlagen und gigantische Privatresidenzen vor den Toren der Hauptstadt. Wenn du dir von deiner Provision außerdem eine Villa an der Côte d’Azur kaufst, tust du das für den europäischen Mittelstand! Handwerker in Nizza finden monatelang Arbeit. Wenn du eine Yacht für 200 Millionen statt realer 80 Millionen kaufst, sichert dieser Aufpreis Arbeitsplätze in ausländischen Werften. Ein echtes Konjunkturprogramm! Die Kinder studieren in Genf, die Ehefrau kauft Kunst in Paris – so stabilisiert das Geld den westlichen Kapitalismus.
Schritt 4: Risikomanagement
Sollte eine lästige Antikorruptionsbehörde doch mal Fragen stellen und eine Razzia durchführen, gibt es drei goldene Regeln:
1. Den Ermittler auf einen hochbezahlten Posten weit weg nach Brüssel befördern.
2. Einen Sündenbock aus der zweiten Reihe opfern, der sich ungeschickt angestellt hat.
3. Jede Kritik sofort als „politisch motivierte Hetze“ deklarieren. Wer im Krisenfall Fragen stellt, betreibt Sabotage und „spielt dem Feind in die Hände“.
In diesem Land ist Korruption kein Fehler, sondern ein hochentwickeltes System. Aber die haben ja auch keine Villen in Südfrankreich. Alles frei erfunden. Sowas gibt’s in der EU nicht. Ich schwör.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



