Die Türkei gerät durch den Irankrieg massiv unter Druck. Ankara hat im März fast alle amerikanischen Staatsanleihen verkauft, um die Lira zu retten. Wie lange hält der Nato-Partner das noch aus?
Von Meinrad Müller
Türkei verkauft fast alle amerikanischen Staatsanleihen
Die türkische Zentralbank hat im März 2026 fast alle amerikanischen Staatsanleihen abgestoßen. Der Bestand sank von 16 Milliarden auf nur noch 1,8 Milliarden Dollar. Das Geld sollte die Lira vor dem Absturz bewahren.
Energie-Schock trifft die Türkei besonders hart
Die Türkei muss fast ihr gesamtes Öl und Gas importieren. Der Krieg treibt die Energiepreise stark nach oben. Das reißt ein riesiges Loch ins Handelsdefizit. Die Regierung muss daher Devisen verkaufen.
Staatliche Banken stemmen sich gegen den Verfall
Am Donnerstag haben Staatsbanken sechs Milliarden Dollar auf den Markt geworfen. Trotzdem brach die Börse in Istanbul um über sechs Prozent ein. Politische Unruhen machen alles noch schlimmer.
Die Aktienkurse sind abgestürzt und die Lira hat ein neues Rekordtief erreicht.
So beschreibt Reuters die dramatische Lage. Die Lira verliert trotz aller Rettungsversuche weiter an Wert.
1 Euro kostet heute 53 Lira.
Der Dollar steht inzwischen bei rund 45,70 Lira. Das ist ein klarer Absturz.
Welche Einflussmöglichkeiten bleiben Ankara noch?
Die Türkei setzt vor allem auf Diplomatie. Präsident Erdoğan und Außenminister Fidan telefonieren mit beiden Seiten. Ankara will als Vermittler auftreten und bietet sogar Hilfe bei der Minenräumung in der Straße von Hormus an.
Wirtschaftlich bleibt das Land schwach. Es hofft auf Touristen, neue Energierouten und Kredite aus dem Golf. Bei weiter hohen Ölpreisen über 90 Dollar droht eine schwere Krise.
Für Touristen ein Paradies – für die Türkei eine Katastrophe
Hotels, Restaurants und Essen sind deutlich billiger geworden. Die schwache Lira macht den Urlaub in der Türkei zum Schnäppchen. Doch was die Gäste jubeln lässt, ist für das Land ein Desaster. Die Einnahmen in ausländischer Währung schrumpfen, während die Kosten für Energie und Importe explodieren. Experten warnen: Der Tourismus-Boom auf Pump könnte der Türkei langfristig mehr schaden als nutzen.
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