Der US-Kongress hat am 21. Mai 2026 mit 48 zu 1 Stimmen für die dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit gestimmt. Der Sonne selbst ist das zwar egal, schließlich scheint sie auf Gerechte wie Ungerechte gleichermaßen, was selbst ein Kirchentag nicht ändern kann.
Von Meinrad Müller
Endlich ging den Amerikanern ein Lichtlein auf! Der frühe Vogel frisst den Wurm der Erkenntnis und wir in Germanistan stehen wieder einmal neben der Kappe und kriegen es erst mit, wenn es zu spät ist. Doch abendliche göttliche Eingebungen, die selten und unverhofft eintreffen, sollten den Empfänger nicht schlafend vorfinden. Deshalb: Wachet und singet in vertrauter Rund zur Abendstund, die ab sofort heller strahlt als jede Osram-Birne!
Schluss mit dem idiotischen Hin- und Herstellen der Uhren zweimal im Jahr. Künftig bleibt es in den USA das ganze Jahr hell am Abend. Während wir in Berlin schon an der Matratze horchen, wird dort drüben – zwar zeitversetzt – noch ums Lagerfeuer getanzt, um die vielen Götter der unendlichen weltweiten Jagdgründe zu beschwören.
Wer hat uns eigentlich die Winterzeit eingebrockt?
Früher war die Uhrzeit in Deutschland ein Flickenteppich aus Minuten. Jede Stadt berechnete den Gang ihrer Kirchturmuhr nach dem Stand der Sonne. Während in Breslau die Uhren bereits 12:40 Uhr anzeigten, läuteten in Köln gerade erst die Kirchenglocken zu Mittag. Ganze 40 Minuten später! Warum? Weil Breslau auf 17 Grad östlicher Länge liegt, Köln aber auf dem 7. Grad. Da sich die Erde pro Längengrad um vier Minuten weiterdreht, entsteht zwischen den Städten eine Differenz von 10 Grad – also genau diese 40 Minuten.
Aufgestanden wurde einst mit dem ersten Schrei des Hahns
Jahrmillionen lang lebten die Menschen ganz entspannt nach dem Sonnenstand. Das Chaos begann erst um 1840 mit der Eisenbahn. Weil jede Stadt ihre eigene Sonnenzeit hatte, wurde der Fahrplan für die damaligen Länderbahnen zum absoluten Albtraum. Also musste eine Einheitszeit her. Ein Relikt aus der alten Dampflok-Ära, an dem wir heute noch festhalten. Ein Morse ähnliches Signal harmonisierte die Bahnhofsuhren. Und dennoch kommt die Bahn heute zu spät oder gar nicht. Am Sonnenstand kann es nicht liegen, woran dann?
Abendstund hat Gold im Mund
Die Vorteile liegen auf der Hand: längere Abende, mehr Sonnenschein zur Durchblutung der Stirn – was sich gerade im politischen Berlin als besonders vorteilhaft erweisen könnte. Und für uns besonders wichtig: Die Biergärten bleiben länger auf! Der Geist des Bieres, der die abendselige Stimmung unter Kastanienbäumen befördert, befriedete selbst unruhige Geister schwarz-bunter Parteien. Da wankt man dann doch lieber Arm in Arm mit der jeweils gerade gegenwärtigen Ehefrau gen Schlafgemach – und schläft sofort ein. So ist beiden gedient.
Gehirnstromverbesserungsmethode
Das ewige Hin und Her mit der Zeitumstellung zweimal pro Jahr – und das schon seit der Wiedereinführung im Jahr 1980 – brachte die Gehirnströme der Menschen die hier leben derart durcheinander, dass wir kollektiv zweimal im Jahr je einen ganzen Monat unter der Anpassung leiden. Besonders nachteilig wirkte sich das in den Berliner Ministerien aus. Die wurden auf diese Weise in einen permanenten, 30 Tage dauernden Jetlag versetzt. Die Ergebnisse dieser geistigen Eintrübung sehen wir ja täglich. Mit der Uhrzeit-Wende kam bald auch die Energiewendezeit, die uns nun zwölf Monate im Jahr Schwindel beschert.
Washington liegt auf der Höhe von Sizilien – auch auf dem Globus
Es ist also nicht verwunderlich, wenn dort mächtige „Familien“ die Geschicke beherrschen und Angebote unterbreiten, die man einfach nicht ablehnen kann. So wird die neue US-Dauer-Sommerzeit wohl auch in Bälde für uns in Good Old Germany eingeführt – schon allein, um Strafzöllen auf Hamburger zuvorzukommen.
Die Sonne im Reich des großen Donald Trump wird folglich nie untergehen. Und die Stunden werden künftig nicht mehr nach der schnöden MEZ gemessen, sondern nach der DTT – der Donald Trump Time.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



