Der Iran will an der Straße von Hormus kassieren. Doch Washington macht klar: Ein iranischer Mautschalter an einem der wichtigsten Öl-Nadelöhre der Welt wird nicht akzeptiert.
Von Meinrad Müller
Washington akzeptiert kein iranisches Zollhäuschen
Der Iran hat eine Hormus-Behörde gegründet, Formulare gedruckt und eine Gebühr von 1 Dollar pro Barrel angekündigt. Doch solange die USA nicht mitmachen, bleibt die neue Persische Golf-Straßen-Behörde nur ein Briefkopf. Teheran hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der Wirt heißt in diesem Fall Washington.
Die Straße von Hormus ist keine Dorfstraße, an der man ein Kassenhäuschen aufstellt. Sie gilt als internationale Wasserstraße. Genau deshalb sehen die USA in der iranischen Gebühr eine politische Erpressung an einer der wichtigsten Lebensadern der Weltwirtschaft.
Der Iran will wie Panama kassieren
Teheran verweist auf Panama und Ägypten. Beide Länder verdienen an wichtigen Wasserwegen. Warum also soll der Iran nur zusehen, wenn täglich riesige Ölmengen durch die Straße von Hormus fahren? Der Iran rechnet mit 10 Milliarden Dollar Einnahmen pro Jahr.
Panama und der Suezkanal sind anerkannte Verkehrswege mit geregelter Verwaltung. Die iranische Behörde dagegen ist eine einseitige Machtansage. Sie klingt amtlich, sie sieht amtlich aus, aber ihr fehlt die Anerkennung durch die Weltgemeinschaft.
Wer Transitgebühren zahlt, riskiert Ärger
Der Iran möchte Zahlungen nicht über das amerikanische Bankensystem abwickeln, sondern in chinesischen Yuan oder Bitcoin. Damit soll der Dollar elegant umgangen werden. Doch genau das ist für Washington der rote Knopf. Wer dennoch an den Iran zahlt, dem drohen Sanktionen.
China und Indien spielen leise mit
Ganz wirkungslos ist der iranische Vorstoß trotzdem nicht. Schiffe aus Ländern, die ohnehin mit Teheran handeln, könnten sich auf das neue System einlassen. Vor allem in Richtung China und Indien dürfte mancher Reeder lieber mit dem Iran reden, als stecken bleiben.
Bezahlte Transitgebühren an den Iran ändern jedoch nichts daran, wenn die USA die Durchfahrt nicht zulassen. Solange die US-Marine den Riegel vorschiebt, kommt kein Schiff durch. Der Iran kann kassieren, aber Washington entscheidet, ob aus der Quittung freie Fahrt wird.
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