Könnte es sein, dass Trump den Deal dringender braucht, mehr als der Iran? Trumps Show-Auftritt auf dem G7-Gipfel wird von Beobachtern massiv kritisiert. Vom Iran hört man dagegen gar nichts.
Von Meinrad Müller
Donald Trump feiert auf dem G7-Gipfel in Frankreich den Iran-Deal als großen Erfolg. Die Absichtserklärung soll den Krieg beenden. Sie öffnete die Straße von Hormuz und schaffte 60 Tage für Gespräche über das Atomprogramm. Doch das Dokument bleibt weitgehend geheim und derweil gehen Drohungen mit neuen Angriffen weiter. Viele sehen nur einen schwachen Waffenstillstand, den Trump als großen Triumph verkauft.
Warum braucht Trump den Deal so sehr?
Der Krieg hat die Ölpreise stark nach oben getrieben. Brent-Rohöl stieg zeitweise über 120 Dollar pro Barrel. Benzin in den USA kostete bis zu 4,48 Dollar pro Gallone. Die Märkte waren nervös. Die Absichtserklärung hat die Preise schnell wieder fallen lassen. Brent sank um über 4 Dollar auf 83,17 Dollar – den niedrigsten Stand seit drei Monaten. Die Aktienmärkte legten deutlich zu. Der Dow Jones stieg um 469 Punkte auf ein Rekordhoch.
Die Straße von Hormuz ist noch nicht offen
Trump braucht diese positiven Zahlen dringend. Zu Hause wächst die Kritik an der Wirtschaft und an der großen Uneinigkeit im Land. Der Deal sorgte für sinkende Benzinpreise und steigende Börsenkurse. Das hilft ihm, als starker Verhandler dazustehen. Viele Beobachter sehen dahinter aber Panik. Der Text der Absichtserklärung ist sehr vage. Wichtige Einzelheiten zu Uran und Kontrollen fehlen. Trump droht weiter mit Bombenangriffen. Teheran droht ebenfalls.
Warum hören wir von iranischer Seite das Gegenteil?
Die Stimmen aus dem Iran sind sehr unterschiedlich. Kreise nahe der Regierung feiern den Deal als Sieg ihres langen Kampfes gegen Amerika. Der Parlamentssprecher und das Außenministerium betonen: Wir haben unsere Ehre und Souveränität bewahrt.
Der Iran stellt aber harte Forderungen, die den Deal stark wackeln lassen:
- Israel muss sofort und vollständig aus dem Libanon abziehen.
- Alle amerikanischen Strafmaßnahmen müssen komplett aufgehoben werden.
- Eingefrorenes iranisches Geld muss sofort freigegeben werden.
- Es darf keine neuen Angriffe oder zu strenge Kontrollen des Atomprogramms geben.
Hardliner und Opposition im Iran nennen den Deal Verrat. Es gab zu viele Tote bei den amerikanischen Bombardements. Der Iran sagt klar: Ohne diese Punkte ist die Absichtserklärung nicht bindend. Teheran verbreitet eigene Versionen des Textes, die deutlich von den US-Angaben abweichen.
Der volle Text ist bis heute nicht öffentlich? Nur heiße Luft?
Der volle Text der Absichtserklärung ist bis heute nicht öffentlich. Es gibt nur Auszüge und durchgesickerte Informationen. Trump verspricht eine baldige Freigabe. Selbst republikanische Abgeordnete fordern den Text und sagen, sie seien im Dunkeln. Die Washington Post spricht von einem „roten Signal“ und „Kapitulation“. Reuters berichtet, dass das Papier zu vielen Kernfragen beim Atomprogramm schweigt. Kritiker nennen es einen teuren Krieg ohne klare Garantien gegen eine iranische Atombombe.
Die Absichtserklärung soll am Freitag, 19. Juni, in der Schweiz offiziell unterzeichnet werden.
Das Dokument wurde bereits elektronisch von Trump, Vizepräsident JD Vance und dem iranischen Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf paraphiert. Vance soll die US-Delegation leiten, von iranischer Seite wird Ghalibaf oder der Außenminister erwartet.
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