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Gut, dass wir heute Pressefreiheit haben

Von 1933 bis 1945 gab es in Deutschland eine Unterdrückung der Medienwelt, die heute überhaupt nicht mehr vorstellbar ist. Damals bestimmten direkte Anweisungen der Regierung jeden einzelnen Satz und jedes Wort, das aus dem Radio kam.

Von Meinrad Müller

Das ist heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Jeden Vormittag mussten die Berliner Journalisten im Propagandaministerium von Joseph Goebbels antreten. Bei dieser Reichspressekonferenz erhielten sie geheime „Tagesparolen“. Das waren strikte Befehle der Diktatur, welche Nachrichten gedruckt werden mussten und welche verboten waren. Ein Mitspracherecht der Redaktionen gab es damals nicht. Jeder wollte seine Arbeit behalten und machte mit.

Das ist heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Das Ministerium regelte die Sprache bis ins Detail. Die Zeitungen erhielten genaue Listen mit verbotenen Wörtern. Selbst die Größe der Überschriften und die Platzierung auf der Titelseite wurden diktiert. Ein neutraler Journalismus so wie heute, war unmöglich, da die Redakteure zu reinen Befehlsempfängern der Politik degradiert wurden.

Das ist heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Die Regierung nutzte die Zensur, um den Alltag massiv zu manipulieren. Wenn die Preise für Lebensmittel stiegen, durfte kein Wort darüber in der Zeitung stehen. Stattdessen gab es den Befehl, über die vermeintlich gute Versorgungslage zu jubeln. Auch Unfälle von Nazi-Funktionären wurden komplett totgeschwiegen.

Das ist heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Wer sich den Befehlen widersetzte, schwebte in Lebensgefahr. Kritische Journalisten verloren sofort ihre Arbeit, bekamen lebenslanges Berufsverbot oder wurden verhaftet. Jüdische und demokratische Verlage wurden systematisch in den Ruin getrieben, enteignet und billig an das Medienimperium der NSDAP verkauft.

Das ist heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Am Ende kontrollierte die Partei fast alle Zeitungen. Die Bürger wurden über ein Jahrzehnt lang belogen und in den Krieg getrieben, ohne dass eine kritische Stimme warnen konnte. Das zeigt, wie kostbar die heutige Pressefreiheit als Schutz vor politischer Willkür ist.

Alternative Zeitungen, damals schon

Berühmte Schriftsteller wie Thomas Mann, Bertolt Brecht und Heinrich Mann mussten sofort aus Deutschland fliehen. Ihre regimekritischen Werke wurden auf großen Scheiterhaufen verbrannt. Im Exil versuchten die geflohenen Intellektuellen verzweifelt, mit eigenen alternativen Zeitungen die Wahrheit über den Terror im Reich zu verbreiten.

Die Exilzeitungen erschienen anfangs vor allem in den europäischen Nachbarländern wie Frankreich (Paris), der Tschechoslowakei (Prag) und den Niederlanden (Amsterdam). Mit dem Ausbruch des Krieges verlagerten sich die Verlage nach Großbritannien (London) sowie über den Atlantik in die USA (New York).

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