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Sieben Tage vor dem Atomschlag: Vorkehrungen gegen das ganz große Chaos

Die Spatzen der internationalen Presse pfeifen es von den Dächern. Ein klitzekleines Atombömbchen, oder deren zwei, sollen in Bälde auf die beste Bundeshauptstadt die Deutschland je hatte, hernieder regnen. Zudem auch noch zu einem behördlich nicht genehmigten Zeitpunkt.

Von Meinrad Müller

Mülltrennung bis zur Kernschmelze

Besonders darauf achten sollten wir, dass unsere Wohnungen in ordentlichem Zustand hinterlassen werden. Es ist absolute Bürgerpflicht, sämtliche Papierkörbe und Mülleimer in den Wohnräumen vorab restlos zu leeren. Auch die Tonnen vor dem Haus müssen akkurat vorsortiert sein. Es wäre grob unverantwortlich, wenn im Zuge der Hitzedruckwelle organischer Abfall mit Altpapier vermischt wird. Das muss sauber getrennt bleiben, Hitzesturm hin oder her.

Knöllchenfrei in den Untergang

Des Weiteren müssen alle Autos auf der Straße absolut ordentlich geparkt sein. Wenn die Druckwelle durch die Straßen fegt, sorgt das ohnehin für erhebliche Luftverwirbelungen. E-Autos müssen total entladen werden, um dem Lithium keinen Anlass für eine unplanmäßige Entzündung zu geben. Querstehende Fahrzeuge oder Autos in der zweiten Reihe würden den kinetischen Energieströmen nur unnötig im Weg stehen und ein noch unschönes Straßenbild abgeben. Achten Sie darauf, den Mindestabstand zu Kreuzungen einzuhalten.

Ordnung in Behördendingen muss sein

In diesem Zusammenhang wird dringend darum gebeten, etwaige liegengebliebene Anträge an Krankenkassen und Behörden tunlichst noch rechtzeitig abzusenden. Zudem sollten entsprechende Verfügungen über die Verwendung der heimischen Girokonten rechtzeitig bei der Sparkasse hinterlegt werden, damit der weit entfernte Enkel auf diese Bestände noch zugreifen kann.

Vereinbarung mit der örtlichen Friedhofsverwaltung

Dies ist ebenfalls sinnvoll, weil im Falle eines Nuklearschlags die bisherigen Flächen für Gräber kaum ausreichen werden. Und man möchte ja nicht haben, dass man auf neu angelegten Friedhöfen fünf Kilometer außerhalb des bisherigen Stadtviertels beerdigt wird, d.h. der Rest,der von uns noch übrig blieb. Schließlich will man ja dort begraben werden, wo man die Entscheidungen der Regierung mitgetragen hat.

Rollos runter gegen den Splitterflug

Die Rollläden an den Fenstern sollten tunlichst komplett nach unten gebracht werden. Das dient nicht dem Sichtschutz, sondern ist reine Vorsorge, damit nicht noch mehr Glassplitter als nötig durch die Gegend fliegen. Wenn die thermische Strahlung die Scheiben pulverisiert, fangen die herabgelassenen Lamellen den gröbsten Dreck ab. Das spart hinterher beim Aufräumen wertvolle Zeit.

Evakuierung von Haustier und Raubtier

Haustiere sollte man vorab schon mal aufs Land schicken, idealerweise in Tierheime, die mindestens 200 Kilometer weit von Berlin entfernt liegen. Sicher ist sicher.

Das gilt erst recht für die Berliner Prominenz im Zoo und im Tierpark: Die Direktionen sollten frühzeitig ihre Elefanten, Tiger und Krokodile in weiter entfernte Tierparks umsiedeln. Man muss sich das mal vorstellen: Wenn die Zäune erst brechen und dann verstrahlte Tiger oder traumatisierte Elefanten den verbliebenen Berufsverkehr auf dem Kurfürstendamm blockieren, wäre das Chaos perfekt. Und ein Krokodil im Flüsschen Spree würde die Bergungsarbeiten nur unnötig verkomplizieren.

Ein dringender Rat an den Hofkanzler

Wer mit diesem ganzen Wahnsinn allerdings überhaupt nicht einverstanden ist, der könnte unserem Hof- und Bundeskanzler eigentlich mal einen gepfefferten Brief schreiben. Inhalt: Er möge doch bitte aufhören, ständig noch mehr zündbares Material an die ohnehin schon lichterloh brennende Lunte in der Ukraine zu legen. Denn machen wir uns nichts vor: Wenn der russische Bär am Ende auch nur einmal kurz rülpst, pustet er Deutschland komplett von der Landkarte. Da hilft uns dann auch kein Keller mehr.

Gehen wir dem Ende also mit erhobenem Haupt und perfekt sortierten Pfandflaschen entgegen. Wenn die Welt schon untergeht, dann wenigstens sauber, ordentlich und nach deutscher Vorschrift.

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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