Im vergangenen Winter hat die Tagesschau die Gasspeicher-Füllstände wie eine tägliche Katastrophenmeldung runtergebetet. 78 Prozent, dann 20, dann fast gar nichts mehr. Jeder Prozentpunkt wurde zur Schicksalsfrage. Wie sieht es heute aus?
Von Meinrad Müller
Die Tagesschau trompetete mit Prozenten Angstgefühle
Jetzt ist Sommer, auch unsere Politiker sitzem im Biergarten und vergessen anscheinend nach dem dritten kühlen Bier an den kalten Winter zu denken. Unsere unterirdischen Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 43 Prozent gefüllt. Und was macht die Politik ebenfalls so unterirdisch? Sie hofft auf einen milden Winter. Sie hofft. Ansonsten ist man in Berlin nicht besonders religiös, aber bei der Gasversorgung will man auf göttlichen Beistand hoffen.
Die Füllstände wurden zum festen Gruselstoff der Abendnachrichten. Aus einer Zahl wurde eine tägliche Drohung, wie schon bei der Corona-Inzidenz. Millionen Menschen wurden eingeschüchtert. Wollen wir das wieder?
Der Verband der Speicherbetreiber sagt: Bis zum Winter sind maximal etwa 76 Prozent drin. Bei einem normalen Winter reicht das vielleicht. Wird es so kalt wie 2025/26, drohen im Februar und März 2027 echte Versorgungslücken. Und diese Lücken soll man mit Hoffnungsbeten füllen.
Methangas und Heizgas
Umweltminister Carsten Schneider pocht auf die Klimaschutz-Vorgaben. Die Gasproduzenten sollen nachweisen, ob bei der Bohrung Methan entwichen sein könnte. Methan entweicht auch millionenfach aus dem Maul der Kühe wenn sie verdauen, sogar vollbiologisch. Der unsägliche Herr Habeck ist zwar weg, aber sein Chaos wird munter weitergeführt. Nur trägt sein Nachfolger die Feder am Hut.
Russisches Gas wird einfach umgetauft
Russisches Flüssiggas fließt weiter nach Europa, vor allem über Belgien. In Zeebrügge wird es angelandet, ins Netz eingespeist und als „belgisches Gas“ nach Deutschland weiterverkauft. Was in Russland verladen wurde, kommt bei uns als belgische Lieferung an. Diese Scheinheiligkeit wird in den Mainstreammedien nicht besprochen, man hält dicht. Dichter als die Pipeline.
Amerikanisches Gas wird teurer und komplizierter
Das Gas aus den USA ist ohnehin schon mehrfach so teuer wie das frühere russische Pipeline-Gas. Nun sollen die Amerikaner nachweisen, wie viel Methan bei Förderung und Transport entweicht. Können sie die Nachweise nicht lückenlos erbringen, droht die Ladung an europäischen Terminals abgewiesen zu werden.
Während die Speicher leer sind, erschwert die eigene Politik also genau die Importe, von denen Deutschland abhängig gemacht wurde. Wir brauchen folglich keine Netflixkrimis, Tagesschau genügt. Niemand kann im Winter dann sagen, der Horror sei überraschend gekommen.
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