Die „Economist“-Chefin wollte Elon Musk als Unterstützer der äußersten Rechten vorführen. Musk drehte den Spieß um: Sichere Grenzen, sichere Städte und vernünftige Staatsausgaben sind nicht extrem. Nicht er sei nach rechts gerückt, sondern die Presse links.
Von Meinrad Müller
Ein Weltblatt lebt von seinem Ansehen
Der „Economist“ wird in Regierungen, Banken und Konzernzentralen gelesen. Das britische Wochenblatt liefert nicht nur Nachrichten. Es erklärt seiner zahlungskräftigen Leserschaft, wie die Welt zu verstehen ist und welche Meinung als vernünftig gelten darf. Dieses Ansehen ist sein eigentliches Kapital. Die Leser bezahlen für das Gefühl, von besonders klugen Menschen besonders zuverlässig unterrichtet zu werden.
Dann setzte sich Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes Elon Musk gegenüber. Sie hielt ihm vor, er unterstütze die äußerste Rechte in Europa. Offenbar erwartete sie Rechtfertigung, Reue und einen kleinen Kniefall vor der Redaktion.
Musk tat ihr den Gefallen nicht.
Eine Frage bringt die Anklage zum Einsturz
Musk nannte sichere Grenzen, sichere Städte und vernünftige Staatsausgaben. Dann fragte er, was daran rechtsextrem sein soll.
Damit war die Chefredakteurin in der Falle.
Sie hatte das große Etikett auf den Tisch gelegt. Musk bat sie lediglich, den Inhalt zu erklären. Plötzlich musste nicht mehr er sich verteidigen. Sie musste begründen, warum normale staatliche Aufgaben angeblich rechts außen liegen.
Darauf hatte sie keine überzeugende Antwort.
Die Dame wollte Musk belehren. Nun wirkte sie wie eine Lehrerin, die vor der Klasse merkt, dass sie ihre eigene Aufgabe nicht lösen kann.
Der Ruf der Zeitung in 120 Sekunden von Musk zerstört
Fast 200 Jahre Zeitungsgeschichte halfen ihr nicht. Ein berühmter Name ersetzt kein Argument. Wer sichere Grenzen und sichere Städte als verdächtig behandelt, muss erklären können, was daran extrem sein soll.
Die Chefredakteurin konnte es nicht.
Damit beschädigte sie auch ihr Blatt. Denn der „Economist“ lebt davon, dass seine Urteile Gewicht besitzen. Musk zeigte innerhalb von 120 Sekunden, wie schnell dieses Gewicht verschwindet, sobald jemand nach einer Begründung fragt.
Nach diesem Auftritt durfte Beddoes gedanklich einpacken und nach Hause gehen.
Der Unterschied zwischen beiden konnte größer kaum sein. Der „Economist“ erklärt, wie Wirtschaft und Technik funktionieren sollen. Musk baut Unternehmen, Fabriken, Satelliten, Raketen und zeigt es. Seine Autos müssen fahren. Seine Satelliten müssen senden. Seine Raketen müssen fliegen. Misslingt ein Leitartikel, erscheint in der nächsten Woche ein neuer. Misslingt eine Rakete, sieht die ganze Welt den Feuerball.
Deshalb hören Millilonen Menschen Musk genauer zu als Journalisten, die für die Folgen ihrer Ratschläge nicht haften.
Der „Economist“ brachte seinen Namen mit. Musk brachte seine Erfolge mit.
Die Chefredakteurin wollte Elon Musk in den Senkel stellen. Nach wenigen Sekunden hatte Musk sie und den Ruf ihres Blattes in den Senkel gestellt.
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