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Post aus Jemen | Drucken |
31.10.2010

Zwei Pakete, adressiert an US-Synagogen, gefüllt mit Sprengstoff, sorgen drei Tage vor der US-Wahl für Aufregung. Während sich Sicherheitsdienste mit dem Fahndungserfolg schmücken, bleiben Fragen offen.

 

Von Michael Mross

Die Welt in Terroraufruhr. Sprengstoffpakete auf dem Weg in die USA. Regierungen schmücken sich mit Fahndungserfolgen. Doch irgendwie scheint die Sache nicht ganz koscher zu sein.

Wahrscheinlich wäre die ganze Angelegenheit völlig unbemerkt geblieben, wenn nicht ausgerechnet Saudi Arabien auf geheimnisvollen Wegen den entscheidenden Tipp gegeben hätte.
Die Saudis gaben die Frachtnummern der zwei ihnen verdächtigen Pakete nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien an die Amerikaner weiter. Damit begann die weltweite Terror-Show und angeblich ein Wettlauf gegen die Zeit, der zu hektischen Polizeiaktionen auf drei Kontinenten führte - bis die brisante Fracht schließlich auf Zwischenstopps der Jets in Dubai und Großbritannien aufgespürt wurde.

Folgende Fragen bleiben offen:

1. Ausgerechnet Saudi Arabien? Präzise Frachtnummern aus Jemen? Fracht, die gar nicht über Riyad geroutet war? Was haben die Saudis damit zu tun? Von wo kamen die Infos genau? Diese Frage wird nicht beantwortet und geht im Terror-Medien-Rummel unter.

2. Es ist keineswegs bewiesen, dass die Pakete bzw. die Drucker wirklich explodieren konnten. Sprengstoff, Kabel und angeblich Zündvorrichtungen wurden zwar entdeckt. Der Beweis der Funktionstüchtigkeit fehlt. Medial perfekt dagegen wurde das Innenleben der Drucker und die davon angeblich ausgehende Gefahr in Szene gesetzt.

3. Es ist stark davon auszugehen, dass eine Handykarte aus dem Jemen in den USA gar nicht funktioniert.  Ausserdem fehlt der Beweis der Funktionstüchtigeit.  Die Batterien wären spätestens innerhalb von 24 Stunden leer. Denn wenn ein Handy kein Empfang hat, dann sucht es mit hoher Energie nach dem nächsten Sendemast, was sehr schnell zur Erschöpfung der Batterie führt. (Deshalb sind eingeschaltete Handys beim Fliegen so schnell leer)

4. Adressaten waren angeblich zwei Synagogen in Chikago. Das mag zwar medientechnisch gut ankommen. Fraglich ist jedoch, ob ausgerechnet eine Synagoge ein Luftfrachtpaket aus dem Jemen überhaupt annimmt. Es dürfte sicherlich nicht so oft vorkommen, dass eine Synagoge Post aus dem Jemen erhält, noch dazu von einem unbekannten Absender und dann noch einen veralteten Drucker als Inhalt. Noch unwahrscheinlicher dürfte es sein, dass so ein Ding auch in Betrieb genommen wird.

5. Drei Tage vor der Wahl in den USA ein solches Ereignis, das angeblich perfekt vereitelt worden war durch die angeblich gute Arbeit der Sicherheitsbehörden. Stellt sich nur die Frage, wem nutzt es mehr? Obama selbst, der sich nun als der große Beschützer präsentieren kann, oder den Republikanern, welche schon immer für einen härteren Kurs in Sachen Terror waren?


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