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EU-Junta will Netzsperren | Drucken |
12.01.2011

Kinderpornografie lässt sich mit Sperren nicht reduzieren, Demokratie und Freiheit schon. - Der Kampf gegen Kinderpornographie ist längst als nur vorgeschobenes Argument der Netzsperrenbefürworter entlarvt.

 

Wiederholt sich der große Fehler der Ursula von der Leyen mit deren gescheitertem "Zugangsserschwerungsgesetz" nun in Europa? Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Pornografie mit Kindern hat nun auch die EU-Kommission das Thema "Sperren im Internet" wieder aus der Schublade geholt. Hiergegen formierte sich - wie in Deutschland - bürgerrechtlicher Widerstand, der auch bereits gewisse Erfolge aufzuweisen hat.

Entgegen der ursprünglichen Formulierung, die eine obligatorische Netzsperrenstruktur für alle Mitgliedsstaaten vorsah, bevorzugt die nationalistisch-konservative Berichterstatterin des führenden Ausschusses für Bürgerrechte, Justiz und Inneres, Roberta Angelilli, nun eher eine freiwillige, nationale Lösung.

»Wir sind positiv überrrascht, dass Frau Angelilli sich der Kritik nicht verschlossen hat und verpflichtende Netzsperren für die Mitgliedsstaaten abgelehnt hat«, sagt Julia Schramm, Netzsperrenbeauftragte der Piratenpartei Deutschland. »Eine Garantie, dass die EU sich nicht durch weitere, umfassendere Zensurmaßnahmen weiter von ihren Bürgern und den Kerngedanken der Demokratie in Europa enfernt, ist das aber immer noch nicht.«

Während Innenkommissarin Malmström (Netzjargon Censilia) und das EU-Parlament die Zensur der Türkei zu Recht kritisieren, öffnen sie mit diesem Kompromiss Tür und Tor für weitere Zensurregelungen in der EU selbst. In der gestrigen Anhörung offenbarte sich der Bonner CDU-Abgeordnete Axel Voss als Verfechter einer europäischen Verpflichtung der Mitgliedsstaaten für Netzsperren. Der Verdacht, dass somit der Grundsatz des Koalitionsvertrages der schwarz-gelben Regierung "Löschen statt Sperren" umgangen werden soll, liegt auf der Hand.

»In der Debatte geht es schon lange nicht mehr um den Schutz von Kindern, sondern viel mehr um die Etablierung einer grundssätzlichen Sperrstruktur im Internet. Es gilt zu befürchten, dass hierbei politisch unliebsame Äußerungen gesperrt und Urheberrechtsansprüche durchgesetzt werden sollen«, so Schramm weiter. »Der Kampf gegen Kinderpornographie ist längst als nur vorgeschobenes Argument der Netzsperrenbefürworter entlarvt. Mit derselben Technik, mit der in Europa vermeintlich Kinderpornografie bekämpft wird, können in anderen Staaten unliebsame Journalisten und Regimekritiker weit effektiver verfolgt werden. Kinderpornografie lässt sich mit Sperren nicht reduzieren, Demokratie und Freiheit schon. Netzsperren sind deshalb ein Irrweg.«


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