Wenn Blech über Leben und Tod entscheidet, vergisst man das nicht mehr. Mein Mercedes hat mir 1984 das Leben gerettet.
Von Meinrad Müller
Es war 1984 in München, als mein Mercedes-Benz 450 SE durch unglückliche Umstände auf die Geleise einer herannahenden Straßenbahn geriet. Der tonnenschwere Koloss rammte sich ungebremst direkt in die Fahrertür, und die Wucht war so brutal, dass mein Fahrersitz im Innenraum auf winzige 30 Zentimeter zusammengeschoben wurde. Ich kam wie durch ein Wunder mit einer Gehirnerschütterung davon.
Die schwere Karosserie der S-Klasse hielt dem Druck tatsächlich stand. Drei Türen waren nach dem Crash völlig verklemmt, nur die hinten rechts ging noch auf. Durch diese Lücke kroch ich ins Freie, kurz bevor der Wagen in Flammen aufging. Seit diesem Tag war der Stern für mich kein Statussymbol, sondern mein Lebensretter aus Stahl. Über fünf Jahrzehnte hielt diese tiefe Verbundenheit. Es war das blinde Vertrauen in eine unzerstörbare schwäbische Ingenieurskunst.
Das Elektro-Desaster und die Flucht in den Krieg
Heute steht der Stern vor einer moralischen Bankrotterklärung, weil der Vorstand den Laden komplett gegen die Wand gefahren hat. Erst wurde die Marke auf Biegen und Brechen auf Elektro, Vegan und Bio getrimmt, als käme das Paradies mit Ladekabel. Das Ergebnis ist ein einziges Desaster. Die Kunden wollen diese überteuerten Batterielaster nicht, die Gewinne brechen massiv um über 50 Prozent ein und die teuren Werkshallen stehen leer.
Statt für diese Fehlplanung geradezustehen, sucht das Management jetzt das schnelle Geld beim Militär und biedert sich bei der Rüstungsindustrie an. Gestern noch PKWs, heute scharf auf die Rüstungsmilliarden, weil dort der Staat verlässlich bestellt und am Ende der Steuerzahler die Zeche zahlt. Aus dem 450 SE wird gedanklich der Panzer 800 SE auch mit Sitzheizung. Völlig schutzlos gegen Drohnen, aber die Politik will partout Steuergeld verbrennen.
Mercedes ade, Scheiden tut weh
Nach 53 Jahren Mercedes-Treue – begonnen 1974 mit einem gebrauchten 180er Diesel meines eigenen Jahrgangs – ist jetzt Schluss. Wenn aus dem Erfinder des Automobils wieder ein Profiteur von Krieg wird, verliert die Marke ihre Seele. Das war ab 1933 schon einmal so, als Mercedes Kübelwagen und Flugmotoren für den NS-Staat baute.
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