Wissenschaft lebt vom Zweifel. Was gestern als sicher galt, kann morgen im Museum der Irrtümer stehen. Nur bei Darwin soll offenbar alles bleiben, wie es ist. „Glaubt der Wissenschaft“ hat sich erst kürzlich als fatal erwiesen.
Von Meinrad Müller
Darwins Theorie stammt aus dem Jahr 1859. Damals kannte niemand die DNA. Niemand kannte Gene. Niemand wusste, dass in jeder Zelle ein Code arbeitet, der an Sprache, Programm und Bauplan erinnert. Darwin sah Tiere, Pflanzen, Knochen und Fossilien. Den inneren Bauplan konnte er nicht sehen.
Darwin sah nie den Maschinenraum des Lebens
Wer heute in diesen biologischen Maschinenraum blickt, muss sich die Frage stellen, ob zufällige Veränderung und natürliche Auslese wirklich ausreichen, um die perfekte Ordnung des Lebens zu erklären. Sagen wir es ganz einfach: Es geht um den Gedanken eines höheren Bauplans.
Darwin erklärt, warum sich Brauchbares durchsetzt. Er erklärt aber nicht überzeugend, woher der erste brauchbare Bauplan kommt. Natürliche Auslese kann nur mit dem arbeiten, was bereits da ist. Sie kann vorhandene Varianten begünstigen oder verdrängen. Sie erklärt nicht ausreichend den Ursprung komplexer biologischer Bauteile.
Zeit ist kein Zauberstab
Nehmen wir die Bausteine des Lebens, die Proteine. Sie bestehen aus Aminosäuren, die in einer ganz exakten Reihenfolge aneinandergereiht sein müssen. Stimmt die Reihenfolge nicht, bleibt das Protein nutzlos. Die Zahl der falschen Kombinationen ist unvorstellbar riesig. Nur eine winzige Handvoll führt überhaupt zu einer Funktion.
Nun soll der blinde Zufall diese seltenen Treffer geliefert haben. Nicht einmal, sondern immer wieder. In Zellen, Organen, Nerven, Augen, Blut, Gehirn und Fortpflanzung. Selbst Jahrmillionen reichen nicht aus, um diese Kette sinnvoller Zufallstreffer plausibel zu machen. Einfach sehr viel Zeit für Mutationen allein ist keine Erklärung.
Der Zufall als Oberingenieur
Kein vernünftiger Mensch baut ein Haus nach dem Prinzip: Wird schon irgendwie stehen. Nur beim größten Rätsel, dem Leben, soll plötzlich der Zufall reichen. Beim Ursprung des Lebens soll das blinde Durcheinander zum Baumeister geworden sein. Was wir beim Bau eines Gartenzauns nicht akzeptieren würden, wird beim Leben von Darwin zur Welterklärung erhoben.
Vor einer großen Intelligenz können wir Respekt empfinden. Vor einer Ordnung, die Muster erkennt, Baupläne trägt und Leben ermöglicht, kann der Mensch Achtung empfinden. Aber vor einem bloßen Zufallssummasummarium Achtung zu empfinden, widerspricht jeder menschlichen Logik.
Warum darf Darwins Dogma nicht altern?
Wissenschaft kennt viele Gewissheiten, die später umfielen. Was einst als unumstößlich galt, wurde durch neue Methoden und neue Einsichten ersetzt. Genau das ist Fortschritt. Wir sehen es täglich in der Medizin: Was vor fünfzig Jahren als unheilbar galt, wird heute routiniert operiert, weil die Forschung niemals stillsteht.
Nur bei Darwin scheint der Zweifel unerwünscht zu sein. Hier steht seit über 150 Jahren ein bärtiger Mann auf dem Denkmal, und die gesamte Fachwelt verneigt sich vor ihm wie vor einem unfehlbaren Gott. Ausgerechnet in einer Disziplin, die sich Wissenschaft nennt, wird das Nachsprechen eines alten Dogmas zur Pflicht erhoben. Das ist im tiefsten Sinne unwissenschaftlich.
Vielleicht verteidigen viele Darwin so hart, weil an ihm mehr hängt als Biologie. Wer Darwin vom Sockel holt, stellt die beruhigende Vorstellung infrage, dass alles irgendwie von selbst kam. Es ist eine tiefe psychologische Bequemlichkeit: Wenn alles nur ein blinder Unfall war, müssen wir uns den großen Fragen nach Sinn, Herkunft und Verantwortung nicht stellen. Der Zufall ist eine herrlich folgenlose Welterklärung.
Dazu kommt die Angst vor der sozialen Ausgrenzung. Wer es heute wagt, beim Anblick der Natur laut über einen intelligenten Konstrukteur nachzudenken, wird fast augenblicklich in eine Ecke gestellt und als gestrig abgestempelt.
Haben wir also Angst davor, dass die Wissenschaft nicht nur einen Bauplan erkennt, sondern am Ende auf einen noch größeren Baumeister verweist?
Darwin sagt, langfristig setzt sich durch, was brauchbar und fit ist. Dann sollte auch seine Theorie unter die Lupe genommen werden und nicht unter Denkmalschutz stehen. Wer seit über 150 Jahren nicht mehr prüft, sondern nur noch nachspricht, hat sich ausgerechnet mit Darwin selbst aus dem Kreis des fitten Denkens katapultiert.
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