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Neues Geldsystem und Währungsreform
23.06.2012

Michael Mross im Gespräch mit Prof. Hans Christoph Binswanger: „Das Geldsystem befindet sich in einer Krisenphase. Wir brauchen eine grundsätzliche, systematische Änderung unseres Geldsystems. Das bedeutet auch eine Währungsreform.“

 

Hans Christoph Binswanger (83) ist ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler. Er entwickelte die Idee einer ökologischen Steuerreform und gilt als profilierter nicht-marxistischer Geld- und Wachstumskritiker. Binswanger ist auch bekannt als Doktorvater von Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Zu Binswangers Arbeits- und Forschungsschwerpunkten zählen Umwelt- und Ressourcenökonomie, Geldtheorie, Geschichte der Wirtschaftstheorie und Europäische Integration. In seiner Forschung hat Binswanger die Grenzen der eigenen Disziplin immer wieder überschritten und ist dadurch auch einem breiteren Publikum bekannt geworden. So legte er beispielsweise mit seinem Werk "Geld und Magie" eine geldtheoretische Deutung von Goethes Faust vor. Sein Hauptinteresse gilt seit den 1960er Jahren dem Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie. Da Wachstum immer Natur verbrauche, fordert er, durch Änderungen des Wirtschaftssystems das Wachstum zu bremsen.

Zum Thema auch: Geld und Magie - Ökonomische Deutung von Goethes Faust

 

Die Thesen von Prof. Binswanger:

Wir sind in einer Krisenphase des Geldsystems. Man versucht die Schuldenkrise mit neuen Schulden zu lösen. Das führt aber in Zukunft zu neuen Krisen, die sich dann verstärken. Die Endzeit des Geldsystems besteht darin, dass ich die Krisen immer wieder erneuern und man die Vorstellung hat, dass man sie mit mehr Geld in den Griff bekommt. Das findet dann ein Ende, wenn man feststellt, dass die Welt endlich ist und die Ressourcen aufgebraucht sind.


Wir haben einen Wachstumszwang. Nullwachstum ist in dem System nicht vorgesehen, weil sonst alles zusammenbricht. Es gibt entweder ein Wachstum, oder eine Schrumpfung – das ist das Problem vor dem wir stehen.


Wenn das System schrumpft, wird nichts mehr produziert. Wirtschaftliche Aktivität kommt zum Erliegen. Das Ende wäre dann eine Selbstversorgungsbasis, wie wir sie vor ein paar Hundert Jahren hatten. So viele Menschen wie heute können dann aber nicht mehr existieren.


Das Problem ist derzeit nicht unbedingt akut. Theoretisch könnten die Banken weiter Geld schöpfen. Wachstum ist selbst auf dem gegenwärtigen Niveau immer noch möglich. Es gibt noch genug Ressourcen, die wir verbrauchen können – ob wir das wollen, ist allerdings eine andere Frage, aber der Zwang ist da.


Das bedeutet immer mehr Umweltzerstörung, damit wir weiter wachsen können. Binswanger vertritt dabei die These, dass man das korrigieren muss. Man muss systematische Änderungen machen, die das Wachstum mäßigen und zwar auf ein Niveau, welches umweltverträglich ist.


Wir brauchen ein Geldsystem, in dem die Zentralbanken wieder eine größere Rolle bei der Regulierung der Geldschöpfung zukommt. Ähnlich wie dies Irving Fisher fordert, nachdem Kredit zu 100% durch Zentralbankgeld gedeckt werden muss. So kann die Zentralbank die Geldmenge regulieren und muss sich nicht unbedingt an Renditegesichtspunken orientieren.


Wenn das Geldsystem in Krise gerät, muss der Staat handeln. Er muss dafür sorgen, dass die Krise nicht ausufert. Zu einem Kollaps kann es nicht kommen, weil die Zentralbanken immer weiter Geld schöpfen können.


Angesichts der aktuellen Krise hat Binswanger ein ungutes Gefühl, weil es nicht mehr kontrollierbar wird, was passiert. Wir brauchen eine grundsätzliche, systematische Änderung unseres Geldsystems. Das bedeutet auch eine Währungsreform. Man muss ein neues System schaffen, das stabiler ist und sich nicht so ausufernd entwickelt, wie es jetzt der Fall ist.

 

Prof. Hans Christoph Binswanger im Gespräch mit Michael Mross:


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