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Am Tropf der Fed
18.12.2012

Die wichtigste therapeutische Waffe einer Notenbank im Kampf gegen die Inflation ist die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen eben diese. Doch genau diese Glaubwürdigkeit hat Ben Bernanke vollkommen verspielt.

 

von Carsten Englert

Viele Menschen dürften das kennen: Wen man krank ist und im Krankenhaus liegt, bekommt man oft eine Dauer-Infusion. Umgangssprachlich spricht man auch davon, dass man „am Tropf hängt“. Vor allem bei schwer kranken Patienten geht es nicht ohne Tropf, denn dann würde die Nährstoffversorgung zusammenbrechen. Bei aller Freude über erste Signale, dass sich die amerikanische Wirtschaft erholt: Die US-Wirtschaft sendet zwar positive Signale, doch dabei darf man nicht vergessen: ausgelöst werden diese Signale durch die sehr üppige Nährstoffversorgung, sprich durch das endlose Drucken von Geld.


Am Mittwoch letzter Woche hat Dr. Fed nun bekannt gegeben, dass die Dosis weiter erhöht wird. Trotz erster guter Signale. Doch das Spiel, das Ben Bernanke treibt ist gefährlich. Schafft er damit die echte Trendwende und die Wirtschaft kommt wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad, wird es schwer haben, rechtzeitig die Überversorgung mit dem Nährstoff Geld wieder aus dem Patienten abzupumpen. Doch verbleibt dieser im „Körper“ nachdem sich der Patient erholt hat, droht gleich die nächste Krankheit im Anschluss: Die Inflationsseuche. Im angelsächsischen Raum wird dieser jedoch traditionell nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, da sie für vollkommen beherrschbar gehalten wird, beziehungsweise die Nebenwirkungen als erwünscht angesehen werden.


In der Tat gibt es Wirtschaftswissenschaftler, die davon überzeugt sind, dass Inflation einen positiven Effekt auf die Beschäftigung hat. Das sehe ich auch so. Das große Aber: Das gilt nur bis zu einem gewissen Grad der Inflation. Überschreitet diese eine Schwelle – wo genau diese liegt, da streiten sich die Gelehrten – dann verkehrt sich diese Wirkung ins Gegenteil. Das Problem ist, dass die „Krankheit“ Inflation nun kaum noch zu heilen sein wird. Denn die wichtigste therapeutische Waffe einer Notenbank im Kampf gegen die Seuche ist die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen eben diese. Doch genau diese Glaubwürdigkeit hat Ben Bernanke vollkommen verspielt.

Helikopter-Ben hat eindeutig gezeigt, dass ihm die Inflation vollkommen Schnuppe ist! Das hat er am Mittwoch ja wieder bewiesen, als er ohne Not – wie gesagt, eine Reihe von Indikatoren haben zuletzt Besserung angedeutet – die QE3-Staatsanleihenkäufe von monatlich 40 Milliarden Dollar auf nun 85 Milliarden Dollar erhöht hat. Somit wird jetzt bis auf weiteres pro Jahr frisches Geld im Volumen von mehr als einer Billion Dollar in den Finanzkreislauf gepumpt.

Damit erhöht sich der Liquiditätsdruck auf die Kapitalmärkte, denn dort kommt das Geld in erster Linie an und nicht in der Realwirtschaft, trotz eigentlich schlechter Rahmenbedingungen. So kommt es, dass die Kurse immer weiter steigen, obwohl es nicht fundamental unterfüttert ist: Die Arbeitslosigkeit in den USA ist immer noch fast doppelt so hoch wie vor der Krise, die Schuldenkrise ist weder in der Eurozone, noch in Japan, noch in den USA gelöst, geopolitische Spannungen nehmen rund um den Globus zu und ganz profan im mikroökonomischen Bereich gehen bei immer mehr Unternehmen die Gewinnerwartungen zurück.

Doch die Kursblase wird immer weiter aufgepumpt. Doch je näher die Kruse dadurch an Allzeitrekordniveaus heranrücken, desto näher rückt auch die Ernüchterung. Sollten die Notenbanken der großen Industriestaaten damit weiter machen und die Liquiditätsblase immer weiter aufpumpen, wird der Knall beim Platzen umso lauter sein! Anleger sollten darauf vorbereitet sein.

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