Deutschland bezieht nur einen kleinen Teil seines Flüssigerdgases direkt aus Katar. Wir kaufen hauptsächlich in den USA. Doch genau dieses US-LNG wird jetzt brutal teurer.
Von Meinrad Müller
Man könnte denken, eine Seeblockade im Persischen Golf geht uns nichts an. Falsch. Katar ist einer der größten LNG-Lieferanten weltweit – rund 20 % der globalen Exporte kommen von dort. Seit Montag, 2. März 2026, ist die Produktion komplett gestoppt: Iranische Drohnen haben Anlagen in Ras Laffan (weltgrößter LNG-Exportkomplex) und Mesaieed getroffen. QatarEnergy hat die gesamte LNG-Produktion und verbundene Produkte eingestellt, force majeure erklärt – keine Lieferungen mehr, unklar wie lange.
Und die Straße von Hormus? Die ist jetzt zu. Iran hat sie offiziell gesperrt, die Revolutionsgarden drohen, jedes Schiff unter Beschuss zu nehmen. Tanker-Verkehr fast null – über 250 Öl- und LNG-Schiffe stauen sich davor. Kein Export mehr aus dem Golf, kein Durchkommen.
Wenn 20 % des Welt-LNG-Angebots plötzlich wegfallen und die wichtigste Exportroute blockiert ist, fehlt ein riesiger Batzen Gas auf dem Weltmarkt. Gas wird weltweit gehandelt – das knappe Angebot trifft jeden Kunden, auch uns.
Für normale Haushalte jetzt 800–1.200 Euro mehr – oder noch schlimmer
Experten rechnen mit Preisanstiegen von 30 bis 100 Prozent (je nach Dauer der Blockade). Europäisches Gas ist in den letzten Tagen schon um 30–50 % explodiert, teilweise sogar mehr. Für viele Haushalte bedeutet das 800 Euro mehr pro Jahr – bei längerer Eskalation locker 1.200 Euro oder darüber. Das trifft Familien, Rentner und Alleinstehende am härtesten – direkt an Geldbeutel, Heizkosten durch die Decke.
Für die Industrie: Millionen-Mehrkosten, die weitergegeben werden
Bei den Betrieben gehen die Kosten schnell in die Millionen. Die geben alles weiter: Brot, Milch, Waschmittel, Autos, Möbel, Strom – fast alles wird teurer. Also spüren am Ende alle Haushalte die Folgen, auch die ohne Gasheizung. Willkommen im Preisschock 2.0.
Warum wir zahlen, obwohl wir kaum direkt aus Katar kaufen
Deutschland importiert nur wenig direkt aus Katar. Aber wir kaufen auf demselben Weltmarkt wie alle anderen. Wenn Asien (Japan, Südkorea, China, Indien – 80 %+ von Katars Exporten) plötzlich massiv in den USA nachkauft, weil ihr zentraler Lieferant ausfällt, steigt der Preis überall. Unsere Versorger zahlen diesen Preis – egal ob das Gas aus den USA, Norwegen oder sonstwo kommt.
Ein klassischer Preisschock durch globalen Wettbewerb. Wer mehr bietet, kriegt das Gas. Angebot und Nachfrage – brutal und unerbittlich. Dagegen hilft keine Sonntagsrede im Bundestag.
Asiens Energiehunger treibt den Wahnsinn weiter
Japan, Südkorea, China und Indien können ihren Verbrauch nicht einfach runterfahren – Industrie, Strom, Alltag laufen weiter. Fehlt Katar-Gas, kaufen sie aggressiv auf dem Spotmarkt nach – vor allem bei den USA. Genau dort kauft auch Deutschland ein. Mehr Nachfrage bei sinkendem Angebot (durch Blockade und Produktionsstopp) treibt die Preise in den Himmel. Tanker fahren dorthin, wo am meisten gezahlt wird. Reine Marktwirtschaft – nur diesmal mit Krieg als Brandbeschleuniger.
Kurz gesagt – der neue Stand:
Straße von Hormus zu (Iran blockiert, Schiffe gestoppt)
Katar LNG-Produktion komplett eingestellt (nach Drohnenangriffen)
20 % Welt-LNG weg + Exportroute blockiert = Angebot schrumpft dramatisch
Preise explodieren (schon jetzt +30–50 %, Potenzial für mehr)
Der normale Bürger zahlt die Zeche – wieder einmal.
Der Alarmismus ist berechtigt: Das ist kein normales Marktschwanken mehr. Das ist ein geopolitischer Energie-Schock, der uns alle trifft – und er hat gerade erst begonnen.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




