Dann zeigt sich, wer in den Monaten der Angst verdient hat, und wo die Entlastung für Bürger und Wirtschaft beginnt.
Von Meinrad Müller
Reuters nennt sieben Märkte, an denen man erkennen kann, ob Frieden wirklich bei den Preisen ankommt.
1. Rohöl: Wenn die Angst aus dem Barrel weicht
Der erste Blick gilt dem Rohöl. Seit Kriegsbeginn ist sofort lieferbares Öl deutlich teurer geworden als die Preise an den Terminmärkten. Der Grund liegt in blockierten Routen, teuren Versicherungen und der Sorge vor weiteren Ausfällen. Kommt echter Friede, müsste dieser Angst-Aufschlag rasch verschwinden.
2. Raffinerien: Das Ende der Sondergewinne
Raffinerien haben in der Krise stark verdient. Benzin, Diesel und Kerosin wurden teuer, während manche Ölmengen noch zu günstigeren Bedingungen eingekauft wurden. Wenn wieder mehr Öl fließt, schrumpfen diese Margen. Für Verbraucher wäre das erfreulich, für manche Raffinerie-Aktien weniger.
3. US-Benzin: Der Test an der Zapfsäule
Der amerikanische Benzinmarkt zeigt besonders schnell, ob die Händler an Entspannung glauben. Fallen die erwarteten Preise für die kommenden Monate, verschwindet Misstrauen aus dem Markt. Bleiben sie hoch, steckt weiterhin Kriegsangst im Tank.
4. Tanker-Frachten: Der Preis der Gefahr auf See
Besonders deutlich zeigt sich der Krieg bei den Frachtraten. Reuters nennt riesige Öltanker vom Nahen Osten nach China. Ihre Tagesfrachtpreise stiegen von unter 150.000 Dollar auf über 450.000 Dollar. Bei Frieden müssten diese Preise deutlich fallen. Das wäre ein klares Signal, dass die Seewege wieder sicherer wurden.
5. Dünger und Chemie: Auch der Acker spürt den Krieg
Der Nahe Osten liefert nicht nur Öl. Auch Düngemittel und wichtige Chemikalien hängen an Energiepreisen und Lieferketten. Sinkende Preise für Harnstoff oder Schwefelsäure würden zeigen, dass Entspannung auch bei Bauern und Industrie ankommt.
6. Gas und LNG: Die zweite Energiefront
Auch Erdgas und Flüssigerdgas in Europa und Asien wurden durch den Konflikt belastet. Frieden könnte hier ebenfalls Druck aus den Preisen nehmen. Ganz automatisch geht es aber nicht. Leere Gasspeicher, Einlagerung für den Winter und hoher Strombedarf im Sommer können die Entlastung bremsen.
7. Öl-Aktien: Krisengewinner unter Druck
Viele Ölproduzenten außerhalb des Krisengebiets haben von den hohen Preisen profitiert, besonders Schieferöl-Förderer in den USA und Ölsand-Produzenten in Kanada. Wenn der Ölpreis fällt, kann ihre Börsenstärke schnell nachlassen.
Frieden wäre mehr als eine diplomatische Nachricht. Er wäre ein Preisereignis. Wer nur auf den Ölpreis schaut, sieht zu wenig. Entscheidend ist, ob auch Frachtraten, Raffineriemargen, Benzin, Dünger, Gas und Öl-Aktien reagieren.
Erst dann verschwindet die Kriegsangst wirklich aus dem Geldbeutel.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



