Irans Ölspeicher quellen bald über, denn kein Tanker kommt, um das Öl abzuholen. Die Raffinerien stehen vor dem Kollaps. Ohne ständigen Durchfluss verkrusten alle Rohrleitungen.
Von Meinrad Müller
Blockade als Daumenschraube
Dem Iran droht eine technische Katastrophe. Seit dem 13. April 2026 blockiert die US-Navy den Export iranischen Öls. Die Lager sind randvoll. Bald muss die Produktion massiv gedrosselt und Raffinerien heruntergefahren werden, mit dramatischen Folgen für die Anlagen selbst.
„Die Zukunft unserer Raffinerien ist in Gefahr“
Hamid Hosseini, Mitglied des Energieausschusses der iranischen Handelskammer, gibt gegenüber der New York Times ein ungewöhnlich offenes Eingeständnis: „Die Seeblockade ist eine viel ernstere Bedrohung als der Krieg selbst. Der Export unseres Öls und die Zukunft unserer Raffinerien sind jetzt in Gefahr.“
Experten schätzen: In nur 25 bis 30 Tagen könnten die Öllager voll sein, dann droht Stillstand. Raffinerien sind keine einfachen Fabriken. Es sind hochkomplexe chemische Anlagen mit tausenden Kilometern Rohrleitungen, Destillationskolonnen und Reaktoren. Ohne kontinuierlichen Durchfluss von Rohöl verkrustet die Raffinerie bildlich gesprochen von innen.
Warum Stillstand Raffinerien zerstört
Bleibt das Rohöl in den Leitungen stehen, kühlt es ab und beginnt zu verkrusten. Asphaltene und Paraffine setzen sich ab, Rohrleitungen verkleben wie dickflüssiger Sirup, der aushärtet. In Kolonnen und Wärmetauschern bilden sich Ablagerungen und Koks. Pumpen, Ventile und Katalysatoren erstarren unter mangelnder Zirkulation.
Ein vollständiger oder längerer Stillstand ist kein simples „Ausschalten“. Experten wissen: Raffinerien brauchen ständige Strömung, um Verkokung zu vermeiden. Wird eine Anlage heruntergefahren, dauert der sichere Neustart oft Monate. Es müssen Leitungen gespült, Anlagen gereinigt, Katalysatoren regeneriert und thermische Spannungen kontrolliert werden. Jeder Tag Stillstand kostet nicht nur Millionen, sondern erhöht das Risiko dauerhafter Schäden.
Genau das macht die US-Blockade so wirksam
Sie zwingt Iran in eine Lage, in der die eigene Öl-Infrastruktur von innen heraus zerfällt, ohne dass weitere Bomben fallen müssen. Die Blockade beweist: Bei einem ölproduzierenden Staat kann wirtschaftlich-technischer Druck zerstörerischer sein als Krieg.
Die Pistole ist auf der Brust: Verhandlungen oder wirtschaftlicher Kollaps?
Für das Regime in Teheran wird die Zeit knapp.
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