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Warum die Luxus-Gastronomie ihre Öko-Lüge beerdigt

Luxus-Schickeria in Erklärungsnot: Der Guide Michelin schafft das grüne Kleeblatt für Nachhaltigkeit ab und beendet die teure Schwindelei.

Von Meinrad Müller

Während unsereins sich in Berlin schon über 8-Euro-Döner aufregt, gehen wir an Lokalen vorbei, die 400 Euro pro Menü verlangen, pro Mann, nicht pro Verwandtschaft zum Achtzigsten. Wie rechtfertigen diese Luxus-Lokale eigentlich, für drei Tropfen Soße an in Rotwein gedünstetem Kalbshirn aus Schlesien und ein bisschen Löwenzahn aus Somalia gleich dem Gegenwert einer Tesla-Aktie zu verlangen?

Der Trick, der Köche zu Picassos macht

Sie brauchten einfach eine verdammt gute Ausrede auf der zartledernen Speisekarte mit Goldrand. Genau dafür erfand der Guide Michelin den „Grünen Stern“ für Nachhaltigkeit. Das hatte die Wirkung wie die 50-Jahre-ADAC Plakette auf dem alten Passat. Doch im Juni 2026 ist Schluss: Das Schummelabzeichen wird sang- und klanglos entsorgt.

Die Trickserei wurde selbst den Erfindern zu peinlich. Michelin zieht den Stecker, weil eine echte Öko-Prüfung für die Tester unmöglich war.

Der Kartoffel-Streichler im Luxus-Schuppen

Der Grüne Stern sollte sagen, dass der Küchenchef jede Kartoffel um Mitternacht persönlich auf dem Feld gestreichelt hat. Für die unverschämten Preise brauchte es genau diese absurden Geschichten, bei denen jeder Currywurst-Esser vor Lachen in sein Bier prustet.

Da wird einem zum Preis eines Kleinwagens folgendes serviert: Erstens ein „Löwenzahnblatt an lauwarmem Quellwasser-Nebel“, bei dem das Unkraut einzeln trocken geföhnt und mit der Pinzette drapiert wurde. Darunter wurde ein Löffelchen Super-Bio- Lachs aus dem Bodensee versteckt. Zweitens eine „meditative Ur-Karotte“, die im Beet neben flauschigen Kanichen nur bei klassischer Musik von Mozart wachsen durfte. Und drittens ein „tiefenentspanntes Ei vom linksdrehenden Freiland-Huhn“, das vor dem Backen wohl noch eine Fußmassage bekam. Kurz: Das Öko-Siegel war der reine Freifahrtschein für unverschämte Rechnungen. Hauptsache, die Kasse hat geklingelt.

Berliner Spesen-Ritter schlemmen auf Staatskosten

Besonders hoch ist die Dichte dieser 22 Michelin-Lokale im Umkreis von 1200 Metern rund um den Berliner Bundestag und im Botschaftsviertel. Dort sitzt die Kundschaft, die diese Preise mit Vorliebe bezahlt oder besser: bezahlen lässt. Unsere Volksvertreter schwitzen beim Blick auf die Karte nämlich nicht. Sie lassen sich Babyhummer auf japanischem Seetang servieren und schieben die gepfefferte Rechnung ganz ungeniert dem Steuerzahler unter. Es schmaust sich halt unbeschwert fürs Weltklima, wenn das Volk den Luxus-Abend per Spesenquittung finanziert.

Bleiben wir lieber beim ehrlichen Schnitzel im Dorfkrug.

Da weiß man, dass das Schnitzel aus der Pfanne kommt und vor allem: Man kann sein Essen noch selbst bezahlen. Guten Appetit und kein schlechtes Gewissen.

Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p

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