Die Art und Weise, wie SpaceX an die Börse kommt, ist höchst fragwürdig. Von 14 Milliarden Aktien kommen nur 550 Millionen an den Markt. Das knappe Angebot soll die Kurse treiben und die Alt-Aktionäre bereichern.
Von Michael Mross
Kaum ein Unternehmen genießt unter Privatanlegern einen vergleichbaren Kultstatus wie SpaceX. Die Vision von Marsmissionen, wiederverwendbaren Raketen und Satelliteninternet begeistert Millionen Menschen weltweit. Doch gerade diese Begeisterung könnte zu einem Problem werden, wenn sie die nüchterne Betrachtung der Unternehmensbewertung verdrängt.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die extrem begrenzte Verfügbarkeit von Anteilen. SpaceX befindet sich weiterhin in privater Hand, während nur ein kleiner Teil der Aktien über ausgewählte Transaktionen den Besitzer wechselt. Eine geringe Zahl frei verfügbarer Anteile kann dazu führen, dass die Bewertung stärker steigt als es die tatsächlichen Fundamentaldaten rechtfertigen würden. Wenn viele Investoren kaufen wollen, aber nur wenige Anteile verfügbar sind, entsteht künstlicher Preisdruck.
Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach SpaceX-Anteilen zunehmend von Privatanlegern angetrieben wird. Viele Investoren sehen in SpaceX das nächste große Technologieunternehmen und befürchten, eine historische Chance zu verpassen. Diese FOMO-Dynamik ("Fear of Missing Out") kann Bewertungen auf Niveaus treiben, die langfristig nur schwer zu rechtfertigen sind.
Gleichzeitig haben frühe Investoren bereits enorme Buchgewinne erzielt. Risikokapitalgeber, frühe Mitarbeiter und Unternehmensgründer besitzen Anteile, die heute ein Vielfaches ihres ursprünglichen Einsatzes wert sind. Allein die Beteiligungen von Elon Musk und anderen frühen Anteilseignern werden auf Hunderte Milliarden Dollar geschätzt.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wer wird am Ende die Gewinne realisieren?
Wenn SpaceX an die Börse geht, könnten frühe Investoren erhebliche Teile ihrer Positionen mit Milliardengewinnen verkaufen. Für sie wäre dies eine Gelegenheit, nach Jahren der Wertsteigerung Kasse zu machen. Neue Anleger würden dagegen zu deutlich höheren Bewertungen einsteigen und damit das Risiko tragen, dass zukünftige Renditen wesentlich geringer ausfallen.
Ein weiteres Risiko liegt in der Eigentümerstruktur. Die Kontrolle über das Unternehmen liegt weiterhin stark bei den bestehenden Großaktionären und dem Management. Neue Investoren hätten vermutlich nur begrenzten Einfluss auf strategische Entscheidungen, würden aber den Großteil des finanziellen Risikos übernehmen.
Das bedeutet nicht, dass SpaceX kein außergewöhnliches Unternehmen ist. Im Gegenteil: Das Unternehmen hat die Raumfahrtindustrie grundlegend verändert. Doch selbst großartige Unternehmen können schlechte Investments sein, wenn der Preis zu hoch wird.
Die Geschichte der Finanzmärkte zeigt immer wieder, dass außergewöhnliche Wachstumsstorys häufig zu Bewertungen führen, die jahrelange Perfektion voraussetzen. Sobald das Wachstum langsamer wird oder frühe Investoren beginnen, größere Aktienpakete zu verkaufen, kann die Stimmung schnell kippen.
Für Anleger sollte deshalb nicht die Frage im Vordergrund stehen, ob SpaceX ein beeindruckendes Unternehmen ist. Die wichtigere Frage lautet: Ist die aktuelle Bewertung bereits so hoch, dass die größten Gewinner am Ende die bisherigen Eigentümer sein werden – und nicht die nächsten Käufer?



